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RASTPLATZ MARZAHN - Eine auf Zeitzeugenerinnerungen basierende performative Rekonstruktion des Zwangslagers für Sinti und Roma in Marzahn-Hellersdorf

„Es hat furchtbar gestunken. Normalerweise hätten wir uns an einem solchen Ort nie aufgehalten, schon allein wegen unserer Gesetze nicht, die das verbieten. Wir wurden aber zwangsweise dort abgestellt.“
(Aus den Erinnerungen von Otto Rosenberg: „Das Brennglas“)

In Marzahn, damals noch vor den Toren der Stadt gelegen, wurde von den Nationalsozialisten auf einer Brachfläche, neben Rieselfeldern und Friedhof, ein Zwangslager für Sinti und Roma errichtet. 1936, vor Beginn der Olympischen Spiele in Berlin, wurden in Berlin lebende Sinti und Roma in das Lager nach Marzahn zwangsumgesiedelt. Die Verschleppung und Festsetzung der Volksgruppe auf diesem Platz war der erste Schritt zu ihrer systematischen Verfolgung und Vernichtung. Heute erinnern einzig ein knappes Dutzend Erinnerungstafeln an das ehemalige Zwangslager für Sinti und Roma. Es ist ein unscheinbarer Ort, zwischen Hochhäusern und S-Bahngleisen in Marzahn-Hellersdorf gelegen.

Ein Ensemble aus jungen Hellersdorfer*innen und Schauspieler*innen hat sich auf die Spurensuche nach der Geschichte des RASTPLATZ MARZAHN begeben. Der historische Ort liegt in ihrer eigenen, unmittelbaren Nachbarschaft, ist jedoch im eigenen Kiez und im Berliner Kontext wenig bekannt. In einem mehrmonatigen Prozess haben die Akteur*innen in Landes-und Stadtarchiven recherchiert, sich mit Zeitzeugenberichten beschäftigt und mit Zeitzeug*innen der zweiten Generation Internierter getroffen. Sie haben anhand von Skizzen und Fotos die Lage des Platzes vor Ort rekonstruiert. In der performativen Rekonstruktion RASTPLATZ MARZAHN geben die jungen Hellersdorfer*innen den damals dort Internierten ihre Stimme und verschaffen diesen Biografien auf der Bühne neue Aufmerksamkeit und Aktualität. Die Erinnerungen der Zeitzeug*innen und ihre Schicksale werden mit Bildern und Videos verbunden und machen das ehemalige Zwangslager für die Zuschauer*innen erfahrbar. Den historischen Bildern des Lagers stellt das Bühnengeschehen den gegenwärtigen „Ort der Erinnerung und Information“ im Kontext des Stadtteils und seiner Bewohner*innen gegenüber. Die Erinnerungen der Zeitzeug*innen werden mit aktuellen Berichten von Sinti und Roma und Kommentaren aus der Marzahner Mehrheitsgesellschaft konfrontiert. Ergänzt durch diese heutigen Stimmen zum Leben von Sinti und Roma in Berlin schlägt die Inszenierung den Bogen zur Gegenwart.

Spieltermine:
16.11.2017 19:00 Uhr
17.11.2017 11:00 Uhr
Wo: TAK Theater im Aufbau Haus, Prinzenstraße 85 F, 10969 Berlin

Informationen und Tickets unter: info@spree-agenten.de I www.spree-agenten.de

Mit: Hanan Alibrahim, Valerya Ekidona Brusky, Vivian Heine, Sabrina Hirchert,
Mehdi Moinzadeh, Madleen Schluck, Emelie Stein, Rudi Stein, Joschla Weiß

Konzept & Regie: Susanne Chrudina | Ausstattung: Stefan Oppenländer | Video: Branka Pavlović
Fotografie: Nihad Nino Pušija |Dramaturgie: Anna-Sophie Lühmann | Regieassistenz: Chris Wohlrab
Pädagogische Begleitung: Jördis Gierig | Produktionsleitung: Tine Elbel | Technische Leitung: Ralf Arndt
Presse und Öffentlichkeitsarbeit: Paulina Papenfuß | Grafik: Ulrich Kochinke
Wissenschaftliche Beratung: Barbara Danckwortt

RASTPLATZ MARZAHN ist eine  Produktion der spreeagenten Berlin in Kooperation mit dem Theater o.N. und der Ernst-Haeckel-Schule, gefördert durch die Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” (EVZ) und den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung. Unter der Schirmherrschaft von Petra Rosenberg, Vorsitzende Landesverband Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg e.V.

Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung
RASTPLATZ MARZAHN - Eine auf Zeitzeugenerinnerungen basierende performative Rekonstruktion des Zwangslagers für Sinti und Roma in Marzahn-Hellersdorf
RASTPLATZ MARZAHN / spreeagenten Berlin e.V.

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