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Am Rand gibt es Kruste

Neues aus der Education-Abteilung des Rundunk-Sinfonieorchesters Berlin

24. Oktober 2014


Himmelswand, Kruste, verbrannt, scharf, Ausländerwohnheim, Unendlichkeit, Abgrund, am Rande der Gesellschaft, kannst Du mal den Rand halten? – alles Assoziationen zum Thema “Rand”. “Das unscharfe Schwanken in den Randgebieten”, diesen etwas umständlichen und doch irgendwie poetischen Titel trägt ein Education-Projekt des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin in Kooperation mit der Sophie-Scholl-Schule. Mehr als sechs Wochen lang haben sich Oberstufenschüler einem Werk Lachenmanns genähert, den “Schwankungen am Rand”. Lachenmann selbst spricht im Kontext dieses Stückes von der “…schwankenden Funktion des Rhythmischen, hier als starres Zeitgerüst, dort als unberechenbares, nur mittelbar gesteuertes Produkt der Unschärfen…”. Musikalische Unschärfen – wie geht denn das?

Antworten auf diese Frage haben die Schüler zusammen mit RSB-Musikern und der Soundpainterin Sabine Vogel gesucht. Funktioniert es, dass alle in einem Puls spielen, ohne dass jemand dirigiert? Ungenau, eben unscharf wird es bisweilen. Und wenn dann noch ein anderer stört? Dann wird es spannend. Eigene Paletten, abrufbare musikalische Ideen haben sie entwickelt, Kontaktmikrofone gelötet und damit Alltagsgegenstände zum Klingen gebracht, um sich dem Geräuschhaften in Lachenmanns Musik zu nähern. Und sie haben zahlreiche Soundpainting-Gesten gelernt und geprobt. Soundpainting, das ist eine Kompositions-/Dirigiersprache für Musiker, Tänzer, Schauspieler und visuelle Künstler, die von dem Amerikaner Walter Thompson seit über zwanzig Jahren entwickelt wird. Die Sprache umfasst mittlerweile über 1000 Gesten mit denen ein improvisierendes Ensemble dirigiert werden kann. Soundpainting ist eine Form von Echtzeitkomposition. Der Dirigent, bzw. "Soundpainter" gibt dem Ensemble mit bestimmten Gesten Parameter vor mit denen er die Art und Weise der Improvisation beeinflußen kann.

Mitte Oktober war es dann soweit: Zwei Tage lang Aufnahmen im “ausland”, territory for experimental music, performance and art. the focus clearly is on experimental, non-mainstream, demanding, kind of weird stuff which either makes you comfortable or makes you leave the place before you’ve even finished your first (cheap) drink… (Auszug der Website von “ausland”)

Schüler und Musiker im “ausland”. Mit dabei Rudolf Döbler und Isabel Stegner, Foto: Juliane Manyak


Zunächst einmal Aufbau des Settings, Ton Licht, Elektronik, Sitzgelegenheiten. Lange dauert es, bis alles steht. Der Ton wird professionell aufgenommen, aber auch Steffi Weismann, Video, ist wieder mit dabei, um aus dem Ganzen einen Film zu machen.

Und dann mischen sich die RSB Musiker unter die Schüler und es geht los. Die Konzentration ist unglaublich, jeder hört auf den anderen, versucht zu reagieren. Mut zur Stille macht sich breit, besondere Momente entstehen. Fünf etwa 20-minütige Stücke entstehen in Echtzeit und werden aufgenommen. Korrekturen für die Kamera werden gemacht – und schon sind die zwei Tage vorbei. Schade, jetzt waren wir gerade richtig drin, so das einhellige Urteil aller Beteiligten. Schlagzeug und Kontrabass werden noch zurück in die Schule gefahren und dann wird wieder Abschied genommen, beinahe ein wenig wehmütig.

Nun sind alle gespannt auf den Film, der gerade geschnitten wird. Und auf Lachenmanns Originalwerk, das am 25. Januar im Rahmen des Ultraschall-Festivals vom RSB aufgeführt wird.

Ein Beitrag von Isabel Stegner erschienen auf Rapaukes Klangwelt – Der Education-Blog des Rundfunk-Sinfonieorchesters Berlin

Das Projekt "Das unscharfe Schwanken in den Randgebieten" wird durch den Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung gefördert.

 

Am Rand gibt es Kruste

Schüler und RSB Musiker; hier vom RSB mit dabei Juliane Manyak, Gudrun Vogler und Georg Boge, Foto: Isabel Stegner

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