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Erfolgsfilm "Rhythm is it!" bisher konkurrenzlos

Fachforum zum Thema "Kulturelle Bildung in den Medien" am 21. Mai 2014 Podewil Berlin

6. Juni 2014


„Rhythm is it!“ hat vor 10 Jahren Maßstäbe gesetzt und noch keinen Nachfolger gefunden. 150 Gäste diskutieren im Podewil über Erfolgszwang und mediale Möglichkeiten in der Kulturellen Bildung. Der Rat für Kulturelle Bildung hat am 21. Mai 2014 in Kooperation mit der Deutschen UNESCO-Kommission e.V. und der Kulturprojekte Berlin GmbH als Partner zur Podiumsdiskussion ins Podewil in Berlin geladen, um die Erfolgsgeschichte des Tanzfilms in den Blick zu nehmen.

10 Jahre nach dem großen Hype sollte es eigentlich ähnliche Geschichten und Alternativen Kultureller Bildungsprojekte geben, die das Zeug hätten, erfolgreich zu sein. Projekte und Akteure, die neue Formen nutzen, um Kulturelle Bildung einem breiten Publikum zugänglich zu machen und es mitzureißen. Warum ist dies nicht der Fall? Was machte den Film damals so erfolgreich? Und was braucht es heute, damit ein Projekt Kultureller Bildung diese Aufmerksamkeit erhält? Es ging um Voraussetzungen, Kriterien und Inhalte für Projekte Kultureller Bildung, um in der Gesellschaft anzukommen, um gewertschätzt, gefördert und wahrgenommen zu werden. Vor allem aber um eins: Welches sind Projekte die begeistern und wie müssen sie medial aufgearbeitet sein?

Rund 150 Gäste diskutierten im Podewil mit den Experten aus Kulturinstitutionen, Journalismus, Bildung und Wissenschaft auf dem Podium, darunter: Enrique Sánchez Lansch (Filmregisseur und -autor u.a. Rhythm is it!, The Promise of Music), Prof. Dr. Christoph Wulf (Vizepräsident Deutsche UNESCO-Kommission e.V.), Dr. Tobias Bleek (Education-Programm des Klavier-Festivals Ruhr), Prof. Dr. Stephan Opitz (Institut für Neuere deutsche Literatur und Medien/ Universität zu Kiel), Christine Lemke-Matwey (Journalistin/ DIE ZEIT), Prof. Dr. Eckart Liebau (Vorsitzender des Rats für Kulturelle Bildung; UNESCO-Chair in Arts and Culture in Education, Universität Erlangen-Nürnberg) moderiert von Prof. Dr. Holger Noltze (Sprecher des Rats für Kulturelle Bildung; Professor für Musik und Medien, TU Dortmund).

Zur Eröffnung betonte Arnold Bischinger (Leiter des Geschäftsbereichs Kulturelle Bildung bei der Kulturprojekte Berlin GmbH), dass die Zeit, in der man für Kinder und Jugendliche Projekte konzipierte mindestens seit dem Tanzprojekt von Royston Maldoom vorbei sei. Der Erfolg des Films „Rhythm is it!“ und die Kreise, die dieser Film gezogen habe verdeutliche, dass heute – 10 Jahre danach – die Jugendlichen längst in die Planung von Kulturprojekten mit einbezogen werden müssen und Partner werden. Auch habe die Kulturelle Bildung ein enormes Potenzial, um etablierte Bildungseinrichtungen, wie Schulen und Universitäten zu bereichern. Im Dickicht von zahllosen Angeboten Kultureller Bildung sei ein kritischer Blick von außen nötig, den der Rat für Kulturelle Bildung mit seiner ersten Publikation angeregt habe. Es gehe darum, wie auch das Fachforum am Nachmittag im Dialog mit Journalisten zeige, Kulturelle Bildungsveranstaltungen nicht nur beschönigend zu beschreiben, sondern auch kritisch unter die Lupe zu nehmen, eben genau das, was in der Kulturellen Bildungslandschaft praktisch passiere – abseits von alleinigen Erfolgsberichten abgeschlossener Projekte.

Die Journalistin Christine Lemke-Matwey (u.a. DIE ZEIT), erinnert sich noch daran, dass der große Hype, der damals um den Film gemacht wurde, bei ihr eine Allergie auslöste, die sie immer bekomme, wenn alles vermeintlich toll ist und was dazu führte, dass sie begann, zu dem Projekt zu recherchieren. Für Prof. Dr. Eckart Liebau (Vorsitzender des Rats für Kulturelle Bildung) steht das Phänomen des Films im Kontext einer Debatte, die einen gewissen Vorlauf habe. Die Kulturelle Bildung sei nicht erst 2004 und mit dem Film erfunden worden. Was aber besonders sei: Der Film habe eine professionelle Perspektive verbunden mit Schule. Das konnte plötzlich unter dem Namen Kulturelle Bildung zusammen gefasst werden. Darin sehe er einen Schlüssel zum Erfolg des Films. Die Opposition von Schulpädagogik und Kulturpädagogik, die es in den Jahren zuvor noch gegeben hatte, sei durch den Film gebrochen worden. Dr. Tobias Bleek (Leiter Education Programm, Klavier-Festival Ruhr) war bei dem Projekt von Royston Maldoom dabei und hat es dokumentiert. Für ihn war es im Nachgang erstaunlich, was alles im Film weg gelassen wurde und wie man allein durch die Auswahl der Protagonisten eine Geschichte konstruieren könne. Nach seiner Erfahrung seien Education-Projekte danach immer mit großen Tanzprojekten assoziiert worden, was den Erfolgsdruck erhöht habe. Für Enrique Sánchez Lansch (Filmregisseur) sei dies nicht nur ein großes Tanzprojekt gewesen, sondern überhaupt der Start für die Educationprogramme der Berliner Philharmoniker. Nach diesem hätte es 12 Projekte gegeben, darunter andere, die mehr Musikideen als Tanzprojekte umfassten. Es sei damals eine Initialzündung gewesen. Es entwickelte sich zu einem Ideal, wie Educationprojekte aussehen sollten. Prof. Dr. Stephan Opitz (Institut für Literatur und Medien/ Uni Kiel) entgegnet auf die Frage zum Erfolg und zur Geschichte des Films „Rhythm is it!“, dass der Film vor 10 Jahren auf Defizite hingewiesen habe. Außerdem beziehe sich der Subtext des Films auf die Dokumentation einer „sozialen Skulptur“. Das berühre weite Schichten. Zusammen mit dem Hype sei dies eine wirksame Mischung gewesen. Es gab einen Aufschlag und man dachte: „Jetzt wissen wir, wie’s geht“ und zahlreiche Projekte folgten. Die gelangen aber nicht alle. Über solche Projekte müsse in der Presse dann auch nicht gesprochen werden. Prof. Dr. Holger Noltze schlussfolgert: Den Erfolg könne man wahrscheinlich darauf zurück führen, dass man dachte, man habe zwei Probleme miteinander gelöst: das Kulturelle und das Soziale. „Jetzt machen wir Stravinsky und Schule und haben beides zusammen.“ Das Wesen von Euphorien beinhalte aber auch Katerstimmung.

Prof. Dr. Christoph Wulf (Vizepräsident Deutsche UNESCO-Kommission e.V.), betont, die Bedeutung des Films liege in der Wirkung von Musik. Musik hören sei ein „sozialer Sinn“, der Gemeinschaften bilden kann. Das Zweite seien Bewegungen, die Emotionen zusammen brächten. Das Zusammenspiel von Rhythmik, Bewegung und Musik habe eine tiefe Bildungswirkung, die oft in der Bildungsforschung übersehen werde. Es gehe auch um Körperbildung, um Sinnesbildung und Erfahrungen im sozialen Miteinander. Christine Lemke-Matwey hinterfragt eine Äußerung von Herrn Opitz, dass „manche eben was könnten und andere nicht“. Ihrer Meinung nach hänge es nicht nur davon ab, ob jemand was könne oder nicht, sondern auch, wie viel Unterstützung und Geld dahinter stehe. Die Philharmoniker würden von der Deutschen Bank unterstützt und da sei es nicht verwunderlich, dass diese Kinder und Musiker sich entwickeln könnten. Außerdem hätten in der Jugendpädagogik schon immer Erkenntnisse um Bewegungsdynamiken gegeben, dies sei nur noch nicht in einem Film verarbeitet worden. Dr. Tobias Bleek (Leiter Education Programm, Klavier-Festival Ruhr) verweist im Kontext seiner Beobachtung am Rande des Projektes darauf, dass dieses Projekt für jeden etwas Neues gewesen sei: für die Musiker, für die Kinder, für alle Beteiligten. Das Schwierige sei im Anschluss gewesen, den Erfolg im Langfristigen zu sichern. Christine Lemke-Matwey ergänzt, dass sie im Kontext einer Berichterstattung auch recherchiert habe, was aus den Kindern geworden sei, die keine Hauptrollen hatten. Da müsse man feststellen, dass diese in ihren bisherigen Verhältnissen lebten, ohne dass dort gesonderte Unterstützung von Begabung oder Interessen der Kinder stattgefunden habe. Die langfristige Begleitung nach der erfolgreichen Initialzündung habe also gefehlt. Prof. Dr. Eckart Liebau  hebt die Bedeutung der Erfolgsgeschichte hervor, die für viele in Projektstrukturen wichtig gewesen sei, um weitere Förderung zu erhalten. Wichtig sei nach Ansicht von Prof. Dr. Christoph Wulf aber auch die Signalwirkung des Engagements von Royston Maldoom und den beteiligten Lehrern gewesen.

Prof. Dr. Opitz findet den Begriff „Kulturelle Bildung“ (Zitat): „dämlich“ für ein Feld, das sehr viel komplexer sei. Auch habe sich die Politik danach darauf gestürzt, alles mit Kultur retten zu wollen, was soziale und gesellschaftliche Probleme umfasse. Warum müsse man der Kultur diese Aufgaben aufbürden? Prof. Dr. Eckart Liebau ergänzt in Hinblick auf die Nebenwirkungen von Kultureller Bildung, dass Integration und Gewaltprävention, also die soziale Dimension von ästhetischer Bildung, wie auch die ökonomische Dimension, in der politischen Argumentation eine Rolle gespielt hätten in den letzten 10 Jahren. Es sei nach wie vor schwierig, die ästhetische Argumentation im engeren Sinne zu verwenden und die Bedeutung der Künste als solche hervorzuheben, als Erfahrungsräume, die sie woanders nicht bekommen können und die daher sehr wichtig seien. Kulturelle und ästhetische Bildung habe immer Nebenwirkungen, aber man wisse nicht, welche und wie nachhaltig sie seien. Man könne nicht nachweisen, ob das Theaterspiel dazu führe, dass man später tatsächlich sozialer werde. Jedenfalls sprächen einige Theaterkarrieren dagegen, dass viele Theaterschauspieler die sozialsten Menschen der Welt seien. So einfach sei dies nicht ableitbar. Daher sei er sehr vorsichtig mit dem Nebenwirkungsargument: Kulturelle Bildung sei automatisch positiv im Ergebnis. Aber die Erfahrungen damit seien wertvoll. Der Diskurs um Nebenwirkungen von Kultureller Bildung in Folge des Films sei weniger fruchtbar als eher undurchsichtig geworden, so Christine Lemke-Matwey. Sie erinnere die Zeit in 2004 als in Berlin die Opernkrise weite Kreise zog und man hinterfragte, ob sich die Stadt drei Opern leisten könne und in dieser Zeit der kulturellen Bedrohung sei dieses Projekt um die Ecke gekommen. Der Verlust des Wertes des Gegenstandes führe dazu, dass man, wie damals beispielsweise, den Wert der deutschen Kultur gar nicht mehr gewertschätzt habe und so hungrig war, nach etwas Neuem, Besonderen. Was generell dazu geführt habe, und die Tendenz steige weiter, dass wesentliche Dinge aus dem Blick geraten.

Prof. Dr. Holger Noltze stellt die These auf: Wenn Kulturelle Bildung – gemäß der Aussage  des Feuilltonisten von der Süddeutschen Zeitung Thomas Steinfeld richtig sei: „Kulturelle Bildung sei das Gegenteil von Kunst“, was sei dann erstrebenswert? Enrique Sánchez Lansch verweist darauf, dass es als schwach gelte, wenn etwas nicht mehrfach genutzt werden könne. Dies sei zwar auch Bestandteil des Films und diese Logik, werde im Ansatz auch vermittelt, aber dies sei auch das Resultat bei den Kindern gewesen. Der Erfolg für den Film spräche dafür, dass es das richtige Thema zur richtigen Zeit gewesen sei. Auf die Frage, warum die anderen Projekte, die Sánchez Lansch filmisch dokumentiert habe nicht ganz so erfolgreich waren führt er an, dass es teilweise Beobachtungen waren von über 4 Jahren, beim Projekt „piano encounters“ beispielsweise.  Es sei aber dem Medium Film inhärent, dass man den Erfolg nicht planen könne. Christine Lemke-Matwey sieht den Hauptgrund dafür, dass man diesen Erfolg nicht serienmäßig produzieren könne darin, dass die handelnden Personen, wie Royston Maldoom und Simon Rattle u.a. mit ihren „Erfolgsweisheiten“ und Sätzen, teilweise wie Baumpfähle, dogmatische und ideologisierende Wirkungen gehabt hätten, die nicht ohne Weiteres in anderen Projekten wiederholbar seien. Außerdem hätten sie eine stabilisierende Funktion, da man damit was anfangen könne, man könne sich damit beschäftigen und man könne sich auch dagegen wehren. Infolge von „Rhythm is it!“ und „Kinder zum Olymp“ sei nach Ansicht von Prof. Dr. Eckart Liebau sicher mehr gefördert worden und auch die privaten Förderer hätten zugenommen. Als langfristige Folge könnten große bundespolitische Projekte wie „Kultur macht stark“ gesehen werden. In diesem Kontext seien auch Forschungsprojekte ins Leben gerufen und Forschungsdesiderate erkannt worden. Im Alltag seien Thesen, wie „Mozart mache schlau“ durchaus angekommen.

Prof. Dr. Stephan Opitz erinnert sich, dass sich die Antrags-Schlüsselwörter um kulturelle Förderungen zu bekommen gewandelt hätten: Anfangs sei noch „Kulturmanagement“ im Projektantrag förderlich gewesen, dann war etwas später "Kulturtourismus" angesagt. Im Anschluss begeisterte „Kulturelle Bildung“ und danach das Schlagwort „Kulturelles Erbe“. Diese Wörter hatten Leuchtturmfunktionen. Der Begriff Kulturelle Bildung sei erstmals in dem Bericht der Enquete-Kommission wirksam etabliert worden. Doch Prof. Dr. Opitz hinterfragt, was daraus strukturell folge. Das Land NRW habe dieses Jahr das Jahr der Kulturellen Bildung ausgerufen. Das habe nach seiner Ansicht bisher nicht dazu geführt, dass Schnittstellen von Kultur und Schule zueinander fänden. Auch würde man nicht darüber reden, dass 70% des Musikunterrichts ausfallen, was bestens dokumentiert sei. Prof. Dr. Opitz kritisiert, dass nirgends die Schnittstellenproblematik aufgearbeitet werde und sieht den Rat für Kulturelle Bildung in der Pflicht, sich auch diesem Thema anzunehmen. Prof. Dr. Holger Noltze bringt es auf den Punkt: Es handele sich also um Konjunkturen, um Moden und stellt die ketzerische Frage, ob wir in 20 Jahren überhaupt noch „Kulturelle Bildung“ hätten? Prof. Dr. Christoph Wulf ergreift das Wort für ein Plädoyer und erläutert, warum Kulturelle Bildung wesentlich sei:  Es gehe um Anforderung und darum, den anderen herauszufordern, dass man Kindern und Jugendlichen etwas zutraue. Er kenne ein Beispiel, bei dem in sozial schwachen Bereichen erfolgreich Shakespeare gelesen werde. Das Selbsttun sei wichtig. Es gehe darum, z.B. im Bereich Bildende Kunst, wenn etwas selbst gemalt werde. Die Fähigkeit ein Werk zu erzeugen, durch die Erfahrungen neue Dimensionen erkennen zu können. Das sei für Bildung eine wichtige Bedingung. Es gehe auch um die Sinnhaftigkeit. Aber nicht nur. Christine Lemke-Matwey  gibt bei dem Blick in diese Runde zu bedenken: Hier seien alle alt und diese Podiumsteilnehmer würden die Gespräche in 20 -50 Jahren nicht mehr führen. Man solle den Blick weniger auf das Shakespearelesen mit sozialschwachen Kindern fokussieren, sondern Shakespeare in Anwaltsfamilien lesen. Denn besonders da sei die Kultur, Kunst und Literatur längst auf dem Weg ins Vergessen.

Prof. Dr. Holger Noltze richtet den Blick auf die Perspektiven und fragt, was die Medien in Hinblick auf das was passieren sollte tun könnten? Christine Lemke-Matwey ist der Meinung die Medien könnten viel tun. Sie wisse aber nicht, ob sie an Nachhaltigkeit interessiert seien. Denn dies beinhalte auch zwangsläufig, über unpopuläre Dinge zu berichten und solche, die keinen Hype ausmachten. Da finde sie die Medien schlecht. Bei Hype und Aktion seien sie gut. Wenn der graue Alltag komme, interessiere das aber nicht mehr. Dr. Tobias Bleek  wünscht sich eine Form der Berichterstattung, die neben den Events die Nachhaltigkeit nicht aus dem Blick verliere. Man solle sich auf Prozesse einlassen. „Rhythm is it!“ funktioniere, weil es eine Abschlussaufführung hatte. Manch andere Projekte hätten dies nicht. Das reduziere schon das Erfolgspotenzial. Enrique Sánchez Lansch plädiert dafür, Nachhaltigkeit weiter anzustreben und die öffentlich-rechtlichen Medien in die Pflicht zu nehmen. Sie seien gefordert, sich an ihren Auftrag zu erinnern. Bei den Fragen aus dem Publikum äußert sich eine Mutter, deren Kind in dem Film mitspielte und ein „Plakat-Kind“ war. Ihr Sohn spielte damals schon Fußball und tanzte in dem Film. Damals musste er sich von seinem Sportlehrer anhören: "tanzen sei etwas für Schwule". Heute sei er Fußballspieler geworden. Die Mutter arbeite im Erzieherbereich und setze den Film ein, um Schülern Möglichkeiten zu vermitteln. Prof. Dr. Eckart Liebau befürwortete abschließend die zentrale Forderung: den gesamten Bereich der Alphabetisierung in den Künsten als erstes anzugehen. Dies sei eine Grundvoraussetzung für andere, weitere Schritte. Projekte seien wichtig und sollten gefördert werden, aber als erstes müsse der Grundstein für die Basis gelegt sein. Deutschland habe 36 Theater, das beinhalte wie viele Kooperationsmöglichkeiten mit 36 000 Schulen? Das sei ein Problem. Man könne auf Kooperationen bauen, aber die Kooperationen ersetzten nicht die Schulbildung in den Strukturen. Das heißt, man müsse Theater in den Schulen unterrichten und dazu brauche man Lehrer. Man könne nicht mit den Jugendkunstschulen (400) den Kunstunterricht ersetzen und alles auslagern. Dadurch würden nicht alle Kinder erreicht. Man solle zunächst die Schulen zu Kulturzentren machen. Dann sei schon viel erreicht.

Ein Musikschullehrer meldet sich und bekennt: dieses Wort würde ja nun sehr oft benutzt und er benutze es auch, aber eigentlich wisse er gar nicht, was das eigentlich sei: Nachhaltigkeit. Darunter verstünde jeder auch etwas anderes und er müsse es in Projektberichten immer begründen, wie nachhaltig seine Projekte seien. Aber was konkret damit gemeint sei, da sei er etwas ratlos. Prof. Dr. Stephan Opitz sieht eine Perspektive für Nachhaltigkeit mit einem Generationenvertrag. Der Begriff aus der Forstwirtschaft besage, dass es drei Generationen brauche, bis ein anständiger Baum gewachsen sei. In nordischen Ländern sei Nachhaltigkeit eher im Blick. Die Göteborger Oper habe beispielsweise einen siebenjährigen Vertrag und sei betriebswirtschaftlich abgesichert. Da könne etwas wachsen. In Deutschland hingegen verhindere das kameralistische System mit dem Königsrecht der Parlamente, das Nachhaltigkeit überhaupt eine Chance habe. Von Nachhaltigkeit seien wir Lichtjahre entfernt, weil dies in unserem System nicht vorgesehen sei.

Audio-Mitschnitt der Podiumsdiskussion

Mehr Informationen: http://www.rat-kulturelle-bildung.de

Erfolgsfilm "Rhythm is it!" bisher konkurrenzlos

Fotos: Phil Dera

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