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Obdachlos again!

18. September 2014


In diesen Wochen endet offiziell das Projekt „Junge Pächter“. Fast drei Jahre lang haben junge Berliner und Berlinerinnen Theater gespielt, fotografiert, musiziert und eigene Ausstellungen veranstaltet. Zahlreiche open stages mit poetry slams und jam sessions, aber auch ganz neue und selbst entwickelte Formate standen auf dem Programm. Seit Herbst 2011 haben sich berlinweit in insgesamt neun Ladenlokalen und leerstehenden Räumen mehr als 300 junge Menschen mit eigenen Ideen und Konzepten in ihrem Kiez ausprobiert. Hier wurde experimentiert – digital und analog –, gleichzeitig Projektbudgets abgerechnet, zuweilen gestritten, in jedem Fall immer um Form und Inhalt gerungen. Und es wurde eingeladen: Gleichgesinnte, Freunde, Nachbarn, Politiker und neugierige Passanten.

Die Resonanz des Projekts war und ist beachtlich, was sich unter anderem an der großen Zahl von Pressereaktionen, vor allem aber an den vielen Gästen der jungen Pächter ablesen lässt. Denn mehr als 5000 interessierte Menschen haben die Veranstaltungen besucht und konnten immer wieder zum Mit- und Selbergestalten inspiriert werden konnten.

Mit ihren eigenwilligen Ideen, dem zunehmenden Interesse der Öffentlichkeit und einer spielerischen Umnutzungslust haben sich die Jungen Pächter als dynamische Konstrukteure ihres urbanen Umfeldes behaupt, Anerkennung, Sichtbarkeit und Beteiligung an der Gestaltungshoheit der städtischen Entwicklung erfahren.

Gleichzeitig bekamen sie unmittelbar eine Entwicklung zu spüren, die im Rahmen der Gentrifizierungsdebatte auch Teil öffentlicher Diskussion geworden ist: War ein Ausgangspunkt des Projekts noch die Wahrnehmung, dass es in Berlin viele ungenutzte Räume gibt, so ist es mit jedem Jahr schwieriger geworden, Ladenlokale für eine Zwischennutzung zu finden.

Dass das Projekt aufgrund seines innovativen und modellhaften Charakters mit dem BKM-Preis 2013 ausgezeichnet worden ist, unterstreicht umso mehr die Notwendigkeit, die Bedürfnisse von jungen Menschen nach Gestaltung, Selbstorganisation und Einmischung im öffentlichen Raum ernst zu nehmen.

Nun fällt die rahmengebende Struktur weg, die den Pächtern zu Beginn Räume und Möglichkeiten eröffnet hat. Doch die gemachten Erfahrungen ermöglichen es manchen Pächtern, ihre Konzepte in teilweise abgewandelter Form und weiterzuverfolgen:

-  Die Pächter in Kreuzberg bespielen noch bis Oktober den Untergrund der Markthalle IX in ihrem „Urban Playground“ mit Körperkunst, Aktionstheater und Kurzfilmprojekten.

-  Das Heim(e)lich in Köpenick ist vom Projekt unabhängig geworden und wird nun in Kooperation mit dem Schlossplatztheater weiterexistieren. Die DEGEWO stellt als Sponsor weiterhin die Räumlichkeiten mietfrei zur Verfügung, die Betriebskosten übernimmt – zumindest zeitweilig – das Jugendamt in Treptow-Köpenick.

-  Die Neuköllner haben das Temporary Space Shuffle entwickelt, eine mobile Workshop-Station, mit der sie in Zukunft immer wieder an unterschiedlichen Orten im öffentlichen Raum anzutreffen sein werden.

-  In Marzahn sind die Pächter der Subbox nun intensiv an der Weiterentwicklung des öffentlichen Skateplatzes „Der Schwarze“ beteiligt. Für ein von Ihnen konzipiertes Programm mit unterschiedlichen Workshops und Aktionen auf dem Gelände haben sie eine Förderung von der Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin erhalten.

-  Die Weddinger vom Machwerk haben auf dem DIY-Kulturfestival Camp Tipsy eine eigene Bühne bespielt, suchen momentan nach geeigneten Orten für ihre einzelnen Werkstätten und befinden sich in Vereinsgründung.

Bei der Fortführung der einzelnen Projekte sind teilweise auch weiterhin die Kooperationspartner beteiligt, die den Pächtern in den vergangenen drei Jahren wichtige Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Vorhaben geleistet haben: Vielen Dank dafür an das Schlossplatztheater Köpenick, die Neuköllner Oper, die Jugendtheaterwerkstatt Spandau, das Ballhaus Naunynstraße, Suppe & Mucke, dem Film- und Videoinstitut Arsenal, Gangway Marzahn und den Mellowpark.

Das Projekt wurde von der FH Potsdam über einen langen Zeitraum wissenschaftlich begleitet. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Dokumenten hat dieser immerwährend kritisch konstruktive Dialog auch der Weiterentwicklung des Projekts wertvolle Impulse gegeben. Dafür sei den beteiligten Student/innen und Prof. Dr. Hanne Seitz herzlich gedankt. Die Ergebnisse dieser Untersuchung und die Erfahrungen und Reflexionen aus der Praxis selbst haben zudem Eingang in ein EU-weites Projekt gefunden, das unter anderem Kenntnisse, Methoden und Herangehensweisen für Projekte der Selbstorganisation und vor allem Selbstermächtigung von jungen Mensch curricular verankern soll. Nähere Informationen zu entsprechenden Berichten, Analysen und daraus resultierenden Trainingsmodulen finden sich unter www.etfu.eu.

Vor allem möchten wir aber allen jungen und enthusiastischen Pächtern danken, die dieses Projekt mit Leben gefüllt und uns und die Schlesische27 so durcheinander gewirbelt und mit ihren Ideen oft angesteckt haben. Wir haben die Zeit sehr genossen.

Sandrine, Simon und Nils

Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf http://junge-paechter.de

Obdachlos again!

Obdachlos heisst nicht Ideenlos

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