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ZUSAMMENFASSUNG "Ich bin jung und brauche das Geld! Alternative Nachwuchsförderung für junge Kulturschaffende in Berlin"

12. September 2018

Der Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung und der Kulturförderpunkt Berlin luden am 31. Mai 2018 junge Kulturpraktiker*innen und alle an Nachwuchsförderung Interessierten ins PODEWIL  ein, um sich über Kunst- und Kulturfördermöglichkeiten für junge Menschen in Berlin zu informieren. Gemeinsam wurde über bestehende, aber auch fehlende Möglichkeiten sowie alternative Förderansätze diskutiert. 

Es stellten sich folgende Personen und Programme vor, die junge Menschen in Berlin dabei unterstützen, selbstständig Projekte umzusetzen und sich künstlerisch zu professionalisieren :
• Melike Öztürk, Karrieresprungbrett Berlin, Musicboard Berlin
• Bernd Gabler, Jugend-Demokratiefonds Berlin, Jugend- und Familienstiftung des Landes Berlin
• Clementine Burnley, MSO inklusiv , Migrationsrat Berlin
• Yasmina Bellounar, Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung 
• Tobias Losekandt, Kulturförderpunkt Berlin

In ihrer Keynote machte sich Yasmina Bellounar für ein machtkritisches Bewusstsein stark,  die Expertise junger Menschen oder der Adressat*innen von Förderprogrammen bereits bei der Planung von Förderprogrammen miteinzubeziehen. Diese Mitwirkung müsse auch nach Außen sichtbar werden, damit Vorbilder geschaffen werden können. Dies zeige, dass junge und marginalisierte Menschen Einfluss haben können, und könne empowernd wirken, eigene Projekte umzusetzen. Auch eine Entlohnung für Beratungstätigkeit müsse mitgedacht werden.  Unabdingbar sei ein Barriereabbau, wie die Verwendung einfacher Sprache oder Mehrsprachigkeit generell.

Tobias Losekandt hat die Tätigkeit des Kulturförderpunkt Berlin vorgestellt, der Kulturschaffende, die Förderung suchen, berät. Kulturpraktiker*innen haben unterschiedliche Ressourcen und bringen unterschiedliches Wissen über Fördermöglichkeiten mit – ganz besonders  internationale oder marginalisierte Künstler*innen wie Menschen mit Fluchterfahrung oder asylsuchende Menschen. Der Kulturförderpunkt bietet neben einer umfangreichen Online-Datenbank ebenfalls zahlreiche Info-Veranstaltungen wie die Reihe „Wie fange ich an?“ sowie Workshops zur Antragstellung an. Auch der Berliner Projektfonds bietet eine sogenannte „Antragsfitness“ für Einsteiger*innen an. Diese findet am 19. September 2018 auch für das neue Fördermodul Durchstarten, das sich u.a. auch an Nachwuchs in der Kulturellen Bildung richtet, also an alle Kulturschaffenden, die partizipative Formate mit Menschen bis 27 entwickeln möchten.

Im Anschluss wurden die vier  Förderprogramme vorgestellt:
Der Jugenddemokratiefonds ermöglicht bereits Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine eigene Antragsstellung ihren Interessen entsprechend. Der Berliner Projektfonds richtet sich an Projektemacher*innen, die explizit partizipative Formate von und mit jungen Menschen umsetzen und  Zugänge zu kultureller Praxis ermöglichen möchten. Das Musikboard Berlin fördert aufstrebende Künstler*innen oder Kurator*innen, die Nachwuchskünstler*innen eine Plattform geben möchten. MSO inklusiv unterstützt  Lesben, Schwulen, Bi, Trans*- und Inter*-Menschen, die von Rassismuserfahrungen betroffen sind.

Die Moderatorin Daniela Seitz, die selbst Formate mit jungen Künstler*innen realisiert, stellte die Frage, inwiefern und für welche Förderprogramme Machtkritik überhaupt umsetzbar sei. Clementine Brunley bestätigte diese Bedenken, da bei großen, öffentlichen Fördermittelgebern Machtkritik erschwert würde, da diese in sehr festen und abstrakten Strukturen funktionieren. Z.B. seien sie oft exklusiv in Bezug auf Voraussetzung an einen gewissen Bildungsabschluss, Wissen über Fördersprech  oder den Aufwand für Barriereabbau. Das MSO inklusiv-Team richtet sich hingegen individuell an die Bedürfnisse der Projektemacher*innen, betreut dadurch aber auch nur wenige Projekte. Es wäre in größeren Fördertöpfen und Projekten deutlich aufwendiger, machtkritisch zu arbeiten und würde mehr Ressourcen seitens der Förderer erfordern.

Yasmina Bellounar fügte hinzu, dass es nicht nur an der Projektgröße liege, sondern auch an dem Willen und der Haltung, solche Veränderungsprozesse zuzulassen. So hat der Fonds für seine Diversitätsentwicklung auf bereits bestehendes Wissen zurückgegriffen und mit unterschiedlichen Akteur*innen zusammengearbeitet, um das Modul Durchstarten zu ermöglichen. Dadurch wurde auch die langjährige bestehende Expertise in den einzelnen Communities gewürdigt und sichtbar gemacht und das Team musste den Prozess nicht alleine stemmen. So konnten ein deutlicher Barriereabbau ermöglicht werden und auch eine junge Jury implementiert werden, die so starkes Mitspracherecht hat, dass sie sich auch eine Vertretung im Beirat erarbeitet hat.

Ziel der Veranstaltung war es auch, die junge Szene nicht nur über das vielfältige Angebot zu informieren, sondern auch Kritik und Anforderungen junger Menschen zu bündeln, um Förderstrukturen neu zu denken. 

Daher wurden die 130 Teilnehmenden bereits bei der Online- Anmeldung zum Thema Förderung befragt und konnten im Anschluss der Podiumsdiskussion noch Fragen stellen und kritisches Feedback geben.

Zusammenfassung der Ergebnisse der Veranstaltung sowie der Online-Befragung:

Auf welche Hindernisse stoßen Sie, wenn es um die Förderung Ihrer künstlerischen Tätigkeiten geht?
- hoher Zeitaufwand vs. sehr geringe Chancen
- Mangelnde Freiheit zu experimentieren
- Etablierte Künstler*innen haben bessere Chancen, das Vorhaben ist nicht das Auschlaggebendste; viele erhalten erst gar nicht die Möglichkeit zu „starten“, sie müssen andere Jobs verrichten oder benötigen andere finanzielle Absicherungen
-  Oft Kooperationen mit Kultureinrichtungen notwendig
- komplizierte Antragsverfahren, oft langer Vorlauf, mangelnde Begleitung bei der Antragstellung, fehlendes Wissen über Antragssprech
- Nicht genug Geld, zu kleine Fördersummen
- mangelndes Wissen über alle Fördermöglichkeiten / Beratungsdefizite
- Fehlende Partner
- Bürokratie
- deutsche Sprache entspricht nicht der internationalen Szene in Berlin
- Bedarf nach verfügbaren Räumlichkeiten
- Berührungsängste mit Förderern und deren Richtlinien
- mangelndes Feedback bei Ablehnung
- Quereinsteiger und interdisziplinäre Praktiker*innen werden benachteiligt
- Hoher Bildungsabschluss wie eine Hochschulausbildung als Voraussetzung schließt viele Talente aus
- die Notwendigkeit einer juristischen Person als Antragsteller
- Gerade auch viele neuankommende Künstler*innen in Berlin suchen Anlaufstellen / Beratung

Was braucht es, damit ein Förderprogramm für Sie in Frage kommt?
- Keine künstlerischen Einschränkungen
- Mehr Räume
- Mehr Beratung & Unterstützung beim Antrag
- Niedrigschwelligkeit
- Mehr Nähe zu den Künstler*innen
- Weniger Bürokratie
- Faire Honorare
- Mehr Geld für freie Szene
- Flexibilität in der Verwendung der Mittel
- Fördereinreichung von Einzelpersonen
- Neuen Stimmen und Künstler*innen Chancen geben
- Mehr Transparenz für die Vielfalt und mehr Offenheit für hybride Formate, mehr Transparenz auch im Zuge der Diversitätsentwicklung
- Nicht nur produktorientierte Förderung
- Laufende Einreichfristen, kurz- UND längerfristige Förderung
- Einfachere Abrechnungsmodalitäten
- Weniger Erfolgskontrollen / Dokumentationsaufwand
- Dauerhafte Betreuung auch während des Projektverlaufs

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Foto: Justine Donner / Kulturprojekte Berlin

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