Wie steht es um die Kulturelle Bildung in Berlin? Welche Herausforderungen prägen den Arbeitsalltag von Akteur*innen und welche Unterstützung wird benötigt? Diesen Fragen sind kultur_formen und die Landesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung Berlin e. V. (LKJ Berlin) im Rahmen des gemeinsamen, ressortübergreifenden Projekts Kubinaut mit einer gemeinsamen Online-Umfrage nachgegangen.
An der Befragung beteiligten sich 186 Akteur*innen der Kulturellen Bildung, 171 vollständige Fragebögen wurden ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen ein engagiertes und stark vernetztes Arbeitsfeld, das zugleich unter zunehmendem finanziellen und strukturellen Druck steht.
Steigende Bedarfe, wachsender Handlungsdruck
Kulturelle Bildung erreicht in hohem Maße Kinder und Jugendliche, die von gesellschaftlichen Ausschlüssen betroffen sind: 96 Prozent der Befragten arbeiten mit entsprechenden Zielgruppen. Gleichzeitig beobachten viele Akteur*innen steigende Bedarfe, insbesondere in den Bereichen psychische Gesundheit, soziale Teilhabe, Sprachförderung sowie individuelle Begleitung.
Auch die Anforderungen an die Fachkräfte nehmen zu. Mehr als 80 Prozent berichten von gestiegenen Anforderungen – sowohl durch komplexere gesellschaftliche Themen als auch durch wachsende bürokratische und administrative Aufgaben.
Unsichere Finanzierung erschwert langfristige Arbeit
Die finanzielle Situation wird von vielen Befragten kritisch bewertet. Fast zwei Drittel berichten von einer Verschlechterung ihrer finanziellen Rahmenbedingungen in den vergangenen Monaten. Als größte Hürden werden fehlende mehrjährige Förderungen, hoher Verwaltungsaufwand und unzureichende Fördersummen genannt.
Viele sehen dadurch ihre Planungssicherheit, nachhaltige Angebotsentwicklung und die Bindung qualifizierter Fachkräfte gefährdet.
Wunsch nach mehr Mitsprache
Die Umfrage macht zudem eine deutliche Distanz zwischen Praxis und Politik sichtbar. Mehr als 80 Prozent der Befragten fühlen sich von politischen Entscheidungsprozessen nicht ausreichend berücksichtigt.
Entsprechend groß ist der Wunsch nach transparenter Information, regelmäßigen Dialogformaten und einer stärkeren Beteiligung der Praxis. Im Zentrum stehen dabei Forderungen nach langfristigen Förderstrukturen, weniger Bürokratie und einer stärkeren Anerkennung Kultureller Bildung als gesellschaftliche Aufgabe.
Kubinaut als wichtige Informations- und Vernetzungsplattform
Kubinaut wird von vielen Befragten als hilfreiche Plattform wahrgenommen, insbesondere bei der Recherche von Förderinformationen und Ausschreibungen. Gleichzeitig wünschen sich viele eine stärkere Sichtbarkeit ihrer Angebote für Kinder und Jugendliche sowie zusätzliche Möglichkeiten für Austausch und Vernetzung.
Die Ergebnisse zeigen, dass Kubinaut sowie die Angebote von kultur_formen und der LKJ Berlin bereits zentrale Bedarfe der Szene aufgreifen – etwa in den Bereichen Förderinformation, Förderberatung, Qualifizierung, Vernetzung und Barriereabbau. Zugleich wird deutlich, dass der Bedarf an diesen Unterstützungsangeboten weiterhin hoch ist.
Fazit
Die Umfrage macht deutlich: Die Anforderungen an die Kulturelle Bildung wachsen, während ihre strukturelle Absicherung nicht im gleichen Maße mitwächst. Steigende Bedarfe bei Kindern und Jugendlichen treffen auf unsichere Förderstrukturen, hohe bürokratische Belastungen und geringe Planungssicherheit.
Die Befragten wünschen sich vor allem verlässliche Förderstrukturen, weniger Verwaltungsaufwand, mehr politische Beteiligung sowie bessere Rahmenbedingungen für Austausch, Qualifizierung und Vernetzung. Die Ergebnisse liefern wichtige Impulse für die Weiterentwicklung von Kubinaut und für die Stärkung der Kulturellen Bildung in Berlin.
Die vollständige Auswertung der Umfrage steht zum Download (Pdf) zur Verfügung.