Navigation Kulturelle Bildung

Urbanes KennenLernen - das Projekt „All Included!“ als Erfahrungsraum zwischen Schule, Museum und Stadt.

Urbane Räume sind Erfahrungsräume, in denen Kinder und Jugendliche sich ihre Umwelt aneignen. Das Projekt “ALL INCLUDED! Museum und Schule gemeinsam für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt” greift genau in diese Dynamik ein und integriert die Stadt als Ort informellen Lernens. Im Rahmen des Modellprojektes steht der Lebensraum der Kinder und Jugendlichen, die Schule, ihr Kiez, Geschäfte und Personen, die sich im Stadtraum aufhalten und leben im Mittelpunkt. Die mit den Kindern und Jugendlichen gemeinsam erarbeiteten Inhalte der einzelnen Projektphasen von ALL INCLUDED werden nachfolgend im Kontext des urbanen Lernens ausgeführt.

Von Yasmina Bellounar & Diana Mammana                  

Jugendmuseum Schöneberg
Jugendmuseum Schöneberg

All Included KennenLernen

In einer ersten Elaborationsphase war das Team des Jugend Museums mit dem JuMu-Mobil - einem umgebauten Bauwagen - an 6 Schöneberger Schulen (3 Grund- & 3 Sekundarschulen) in insgesamt 12 Klassen unterwegs und hat die Schüler*innen an die Thematik des Projektes herangeführt. Die interaktiv konzipierte Ausstellung wurde mit den Erfahrungen, Meinungen und Haltungen der Schüler*innen verknüpft, womit einerseits ein persönlicher Zugang zum Thema möglich gemacht wurde und andererseits die Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen, sowie Eltern und Lehrkräfte miteinbezogen wurde.

Im weiteren Projektverlauf fanden unterschiedliche Lernwerkstätten im Jugend Museum Schöneberg statt, die auf die erste Projektphase an den Schulen Bezug nahmen. Aus den Fragen und Interessensfeldern der Kinder und Jugendlichen wurden vom Team des Jugend Museums inhaltliche Themenblöcke evaluiert, die innerhalb der Lernwerkstätten tiefergehend verhandelt wurden. Der Stadtraum war in dieser zweiten Projektphase Experimentierfeld, Erfahrungsort und Forschungsfeld zugleich. Unter Bezugnahme auf lokale Orte wurden Menschen aus dem Kiez befragt, Passant*innen beobachtet, Videos produziert und Einkaufspassagen aus einem neuen Blickwinkel betrachtet. Modetrends, Preisunterschiede, Produktpaletten und Werbung wurden von den Kindern und Jugendlichen genau unter die Lupe genommen. Im Zentrum stand der Stadtraum selbst, mit seiner Geschichte und dem aktuellen Stadtgeschehen. Beispielsweise konnten die Kinder und Jugendlichen durch eine queere Stadtrallye in Schöneberg historische Orte und Plätze erkunden. Passant*innen und Personen aus ansässigen Vereinen wie Les Migras und Gladt e.V, aber auch Cafés, wie das Frauenzentrum Begine oder das Ulrichs-Café der Berliner Aids-Hilfe wurden von den Kindern und Jugendlichen vor Ort zum queeren Kiezleben befragt. Das genaue Hinschauen, entdecken, erforschen und sammeln von Eindrücken in der Stadt machte es möglich, einen Zugang zu einer komplexen Thematik herzustellen und die Perspektive der Kinder und Jugendlichen miteinzubeziehen. Dabei war es wichtig eine reale, für die Kinder und Jugendlichen fassbare und verwendbare Vorstellung zum Thema zu bekommen, um einerseits die Aussagen und Haltungen der Interviewpartner*innen zu verstehen und andererseits daraus individuelle Meinungsäußerungen entstehen lassen zu können.

Jugendmuseum Schöneberg
Jugendmuseum Schöneberg

Der urbane Raum, diente hier nicht nur als Schauplatz von Aushandlungen unterschiedlicher gesellschaftlicher Prozesse, sondern war implizit ein informeller Lernort, der es ermöglichte diese Prozesse sinnlich erfahrbar zu machen und ein aktives Partizipieren und Handeln ermöglichte. Die Kinder und Jugendlichen haben Menschen und Geschichten kennengelernt, sie haben ihre Stadt und ihre Umwelt genauer untersucht, gewohnte Orte neu interpretiert und waren als Stadtforscher*innen gefragt. Die visuelle Recherche schärfte den Blick für die sichtbare Allgegenwärtigkeit kultureller Übersetzungen im urbanen Alltag und machte möglich, diesen  nicht durch den gewohnten Filter wahrzunehmen. Anschließend diente das Museum  als Gestaltungs- und Schaffensort, an dem die Kinder und Jugendlichen einen Diskurs über die von ihnen gesammelten Eindrücke eingehen konnten. Der urbane Raum wurde in dieser Phase des Projekts aktiv als Plattform – als Ort der Begegnung – den es zu interpretieren galt, genutzt.

Die Ergebnisse der Lernwerkstätten wurden anschließend in einer Werkschau im Jugend Museum ausgestellt. Die Werkschau wurde von vielen Schulklassen aus ganz Berlin und Brandenburg besucht und darüber hinaus auch außerschulisch von unterschiedlichsten Besucher*innengruppen im Rahmen von interdisziplinären Workshops genutzt. Bei der Ausstellungseröffnung waren viele Schüler*innen, die in den Lernwerkstätten involviert waren, vor Ort. Sie haben ihren Forschungs- und Lernprozess für die Besucher*innen transparent gemacht und als Expert*innen durch die Werkschau geführt. Das Museum wurde durch die Mitgestaltung der Schüler*innen zu einem lebendigen, interaktiven Raum des Mitbestimmens und Mitwirkens.

Jugendmuseum Schöneberg
Jugendmuseum Schöneberg

Im Kontext lernen – ALL INCLUDED!

Im Rahmen des Modellprojektes ALL INCLUDED ist urbanes Lernen im Kontext von Schule und Museum zu verstehen. Die Schule als Ausgangsort, an dem Kinder und Jugendliche einen großen Teil ihrer Zeit verbringen, das Museum hingegen als Brücke zu Schule und Stadt; als ein Ort an dem Stadtgeschichte und gegenwärtige gesellschaftliche Themen verhandelt werden. Am Beispiel des Modellprojektes „ALL INCLUDED!“ wird ersichtlich, dass Begegnungen in unterschiedlichen Räumen der Stadt für urbanes (Kennen-)Lernen unverzichtbar sind. Auch wenn eine nachhaltige, langfristige Arbeit im Rahmen des Modellprojekts „ALL INCLUDED!“ nur bedingt möglich ist, ist das Format dieses Projektes eine Chance, individuelle Bildungsprozesse zu initiieren und Lernen als Erfahrungsprozess zu verstehen, der an unterschiedlichen Orten stattfinden muss. Der städtische Raum Berlin und Schöneberg als Stadtteil, mit seiner gelebten queeren Geschichte ist ein erfahrbarer Aktionsraum, der außerhalb von Schule und Museum eine Thematik sichtbar macht, die alle Menschen betrifft. Urbanes Lernen bedeutet demnach: Bildung so zu gestalten, dass ihre Adressaten, die Kinder und Jugendlichen, selbst aktiv Lernprozesse gestalten und neue Orte des Lernens für sich entdecken. Weiter ist urbanes Lernen hier als kulturelle Bildung, im Sinne eines aktiven Einwirkens in städtische Räume und umgekehrt, zu verstehen. Nicht nur die Lebensräume der Akteur*innen selbst, sondern auch die Stadt und der öffentliche Diskurs können und müssen sich dadurch mitverändern.

Das Modellprojekt „All Included!“ wird gefördert vom Bundesfamilienministerium im Rahmen des Bundeprogramms „Demokratie leben.“

 

Anna Chrusciel
Stories of Difference – Urbanes Lernen im Kontext kultureller Bildung

Heute bietet urbanes Lernen die Möglichkeit, gemeinsam mit Anderen den städtischen Raum zu erkunden und darin unter anderem die unsichtbaren Linien und Verläufe von Zugängen, Möglichkeiten und Macht erfahrbar zu machen. Je nach Perspektive sind alternative Umgangsstrategien in der Stadt notwendig und wertvoll.

Mehr…
Kotti-Shop
Kotti-Shop zum "Begriff" des Urbanen Lernens

Wenn man "Urbanes Lernen" weiter fasst, hat es aber vor allem Potential für das generationsübergreifende, künstlerische Arbeiten mit Nachbarschaften und Selbstermächtigung. Das ist, was uns in unserer Praxis interessiert: das geteilte räumlich-soziale Gefüge innerhalb einer Nachbarschaft gemeinsam zu gestalten - auf Augenhöhe.

Mehr…
Urbanes KennenLernen - das Projekt „All Included!“ als Erfahrungsraum zwischen Schule, Museum und Stadt.

Urbane Räume sind Erfahrungsräume, in denen Kinder und Jugendliche sich ihre Umwelt aneignen. Das Projekt “ALL INCLUDED! Museum und Schule gemeinsam für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt” greift genau in diese Dynamik ein und integriert die Stadt als Ort informellen Lernens.

Mehr…
Urban dialogues
Interview mit Stefan Horn - Stadtkunstverein urban dialogues

Das Stadtkunstprojekt urban dialogues widmet sich seit 1998 der künstlerischen Erforschung des sozialen und urbanen Raumes der Großstadt. Der Verein zeichnet sich durch seine vielfältige Erfahrung mit partizipativen Jugendprojekten aus.

Mehr…
AG Kunst im Untergrund/nGbK (station urbaner kulturen, Kastanienboulevard, Hellersdorf, 2017)
Keynote “Stadt von Draußen - Produktion, Vernetzung und Vermittlung als Kunstpraxis am Stadtrand”

Bei der Partnerbörse #6 hielt Adam Page die Keynote “Stadt von Draußen - Produktion, Vernetzung und Vermittlung als Kunstpraxis am Stadtrand” über informelle künstlerische Beteiligungsprojekte in (stadt-)gesellschaftspolitischen Prozessen.

Mehr…
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung
Lektüretipps Urbanes Lernen

Hier finden Sie einige Lesetipps zu den Themen Stadtgesellschaft, Stadtentwicklung, Gentrifizierung, Diversität, urbane (Spiel-)Räume & Selbstorganiastion im Kontext von Kultur und Bildung.

Mehr…
PROJEKT: DER TIGER KOMMT ZU DIR?!

In drei Workshops haben wir mit Alt- und Neu-Berliner Kindern über alternative Wohnformen geredet und phantasiert, wie ein gerechtes Zusammenleben in der Stadt zukünftig aussehen könnte. Gemeinsam erforschten wir anhand von Interviews und Zeichnungen verschiedene Nachbarschaften, entwarfen utopische Wohnmodelle und bauten Behausungen für den Tiger.

Mehr…
PROJEKT: Die Vermessung der Stadt

Die Vermessung der Stadt nimmt den Grundsatz der Stadtentwicklung wörtlich und vermisst die Stadt in Form einer künstlerischen Untersuchung und kreativen Forschung mit Schüler*Innen und Jugendlichen. Dabei entscheiden die Schüler*Innen selbst über die Fragestellung, die den Ausgangspunkt für eine Erforschung bildet.

Mehr…
PROJEKT: wohnwut – Kampagne JUGEND/STADT/WOHNEN

Mit einer Peer-to-Peer-Umfrage zur Lebens- und Wohnsituation von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Berlin startete im Sommer 2013 eine Kampagne, die auf einem experimentellen und künstlerisch-aktionistischen Pfad jugendpolitische Forderungen aufgreift und kreative Entwürfe für Jugendwohnen in unserer Stadt entwickelt.

Mehr…
PROJEKT: StadtRebellen - 1 km² x anders

Bei „StadtRebellen – 1 km² x anders“ geht es um Bildung im Bereich Stadtentwicklung und Baukultur. Dabei lernen die Kinder nicht nur, wie eine Stadt entsteht und wie sie funktioniert, sondern auch, wie sie selbst in dieses Stadtgefüge aktiv eingreifen können.

Mehr…
PROJEKT: Es ist so Deutsch in Kaltland

Über Umwege und Irrwege, durch Innenhöfe und Parkhäuser, über Baustellen und Spielplätze werden die Zuschauer_innen von ihrem persönlichen "Walker" begleitet und erleben Berlin, wie es einmal sein könnte: Ein Theater-Hörspiel zum Mitgehen, dass die Stadt bezugnehmend auf andere Großstädte, andere Krisen, Bedrohungslagen und soziale Spannungen verortet.

Mehr…
PROJEKT: Genius Loci

Genius Loci ist ein Kurs (und Diskurs) im öffentlichen Raum Berlins, der die heutige Stadtgestaltung aus politischer und künstlerischer Perspektive untersucht und hinterfragt.

Mehr…