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Elke Plate, Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz

Redaktion Kubinaut: Frau Plate, in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt sind Sie als Projektleiterin für das Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030 mit der Aufgabe betraut, einen partizipativen Prozess zu gestalten, der die Erarbeitung des Konzepts untersetzt.
Zu diesem Prozess wurden Expertinnen und Experten aus den 100 wichtigsten Institutionen und Verbänden der Wirtschaft, Gesellschaft und Politik eingeladen. Seit Februar 2013 beschäftigen diese sich in regelmäßig stattfindenden Werkstätten mit den langfristigen Entwicklungsmöglichkeiten für Berlin. Die Bevölkerung ist im Stadtforum 2030 eingeladen, sich am Prozess zu beteiligen.
Was erwartet sich die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt von diesem partizipatorisch angelegten Prozess?

Elke Plate: Stadtentwicklung ist ein komplexer Prozess. Berlin ist die Stadt aller Menschen, die hier leben. Eine Vielzahl von institutionellen Akteuren prägt die Stadtentwicklung Berlins. Diese umfassen so unterschiedliche Bereiche wie die Wirtschaft mit ihren vielfältigen Branchen ebenso wie Wissenschaft, Forschung und Kultur bis hin zu politischen, gesellschaftlichen und sozialen Gruppen, Einrichtungen und Verbänden. Es gibt unterschiedlichste Interessen, die Institutionen, Unternehmen und Verbände verfolgen. Und die Berlinerinnen und Berliner: Jede und jeder hat Erwartungen und Hoffnungen, wie Berlin 2030 aussehen soll.
Ziel der Beteiligung mit ihren unterschiedlichen Veranstaltungen und Angeboten ist es, die vielfältigen Perspektiven in die Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes Berlin 2030 einzubinden. Damit soll das Konzept breit aufgestellt werden.
Ziel ist es, mit dem Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030 ein Leitbild für Berlin zu erarbeiten, das Strategien und Handlungsfelder umfasst, die gemeinsam von den Akteuren und Akteurinnen der Stadtentwicklung getragen werden. Für das Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030 gibt es keine Blaupause. Das ist eine große Chance, weil die Inhalte im Zusammenwirken von Stadtgesellschaft, Politik und Verwaltung konkretisiert werden.
Akteure, die sich in den Erarbeitungsprozess einbringen, lernen die Perspektiven anderer Akteure kennen. Zielkonflikte werden so beispielsweise von Anfang an mit benannt. Die Positionen werden klar und können in der gemeinsamen Diskussion hinterfragt und ggf. auch verändert werden. Die Akteure, die mitwirken, können anschließend dazu beitragen, das Konzept umzusetzen. Partizipation verstärkt das Engagement für unsere Stadt.

RK: Wie moderieren Sie diesen komplexen Dialog?

EP: Mit einem kreativen Team, einem guten Konzept und offenen, interessierten und aktiven Menschen, die bereit sind, sich konstruktiv in die Gestaltung Berlins einzubringen. Wir arbeiten zielgruppenbezogenen mit unterschiedlichen Formaten. Wir nutzen alte und neue Medien. Zu den Stadtforen gibt es beispielsweise die Möglichkeit, zu Fragen, die sich aus der Erarbeitung des Stadtentwicklungskonzeptes Berlin 2030 ergeben, ein BerlinTelegramm zu schicken oder zu twittern.

Stadtforum 24. April 2013. Im Berliner Rathaus nehmen über 500 Interessierte an der Auftaktveranstaltung teil. Foto: Till Budde
Stadtforum 24. April 2013. Im Berliner Rathaus nehmen über 500 Interessierte an der Auftaktveranstaltung teil. Foto: Till Budde

RK: Was aus Ihrer Perspektive können Kunst und kulturelle Bildung im Kontext von Stadtentwicklung?

EP: Kunst und kulturelle Bildung bieten in ihren vielfältigen Ausdrucksformen zu den Themen der Stadtentwicklung einen Zugang, der nicht der üblichen Logik und Routine entspricht. Das erzeugt Reibung und Resonanz. Damit verändert es den Blick auf das, was in der Stadt passiert, wie Konzepte erarbeitet, wie Planungen umgesetzt werden. Kunst und kulturelle Bildung bereichern Berlin als Metropole, sie bereichern auch Stadtentwicklung und Planung.

RK: Im Rahmen von Stadt 2030 werden auch drei Projekte im Bereich kultureller Bildung in Zusammenarbeit mit Kulturprojekte Berlin GmbH realisiert. Vier Berliner Schulen mit über 100 Schüler_innen sind hier involviert. Eines dieser Projekte haben Sie auch persönlich besucht. Welche Expertise bringen Jugendliche in die Auseinandersetzung mit Stadtentwicklung ein, die Sie für den Gesamtprozess als wichtig ansehen?

EP: Die Jugendlichen haben ihre individuellen, positiven wie negativen Erfahrungen mit Berlin. Das hat vielfältige Dimensionen. Es reicht von ihren Familien und Freunden in einer spezifischen sozialen Lage, über ihre Schulen und die Quartiere bis hin zu Orten, die sie nicht alltäglich aufsuchen. Jugendliche eignen sich Raum an, sie sind dabei teilweise äußerst kreativ, und stellen damit Anforderungen an den Raum. Sie fordern – natürlich – Räume ohne unmittelbare Kontrolle von Erwachsenen, die gleichwohl sicher sind. Sie sind höchst kritisch, was Sauberkeit und Schönheit der Stadt angeht.
Es hat mich sehr gefreut zu erfahren, wie genau die Schülerinnen und Schüler ihre Umgebung wahrnehmen und wie genau sie beschreiben können, wie Berlin in Zukunft in ihrem Quartier und darüber hinaus aussehen soll. Sie wünschen sich u.a. eine gerechte Stadt, an der alle teilhaben können.

Stadtforum 29. Mai 2013. Im Heimathafen Neukölln diskutieren Staatssekretär Björn Böhning, Prof. Dr. Klaus J. Beckmann und Elke Frauns, Foto: Till Budde
Stadtforum 29. Mai 2013. Im Heimathafen Neukölln diskutieren Staatssekretär Björn Böhning, Prof. Dr. Klaus J. Beckmann und Elke Frauns, Foto: Till Budde
Stadtforum 7. Aug. 2013. Vor dem Berliner Rathaus sind Berlintelegramme gefragt. Foto: Till Budde
Stadtforum 7. Aug. 2013. Vor dem Berliner Rathaus sind Berlintelegramme gefragt. Foto: Till Budde

RK: Wie werden die Ergebnisse aus den Schulprojekten in das Gesamtkonzept Stadtforum 2030 am Ende einfließen?

EP: Die Ergebnisse aus den Schulprojekten sind eine der vielen Perspektiven, die wir in die Erarbeitung einbinden wollen. Schülerinnen und Schüler, die heute Jugendliche sind, sind in 2030 junge Erwachsene. Sie haben dann ihre Ausbildung, ihr Studium abgeschlossen, vielleicht schon eine Familie gegründet und haben berufliche Erfahrungen. Mit ihren Projekten heute wirken sie mit, die Zukunft Berlins zu gestalten. Ihre Ideen, Wünsche, Erwartungen und Hoffnung sind ein Maßstab, wenn es um die Zukunftsfähigkeit und die Zukunft von Berlin geht. Dies trägt zu einer Stadtentwicklung bei, die sich an alle Generationen richtet.

RK: Gibt es schon einen Zwischenstand dazu – wie Berlin in 2030 aussehen soll?

EP: Einen ersten Zwischenstand, wie Berlin 2030 aussehen soll, soll Anfang April vorgestellt und diskutiert werden. In einem Stadtforum sollen Strategien vermittelt werden, welche sich auf die langfristigen Herausforderungen der Metropole beziehen. Dies sind beispielsweise die wachsende Bevölkerung und der demografische Wandel, wir werden älter. Dazu zählt auch die soziale Lage und Mischung der Menschen, die in Berlin leben. Es ist das Erfordernis einer wirtschaftlichen Profilierung ebenso wie der Klimawandel und die Energiewende. Mit den Gästen des Stadtforums soll auch über Stadtgebiete diskutiert werden, in denen diese Herausforderungen besonders deutlich werden und auf die sich die öffentliche und private Aufmerksamkeit in besonderem Maße richtet.

RK: Wir danken Ihnen für das Gespräch!

Elke Plate

  • Dipl.-Ing. Raumplanung, Studium an der TU Dortmund
  • Städtebauliches Referendariat in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz
  • (frei-)berufliche und Forschungstätigkeiten in Bayern, Sachsen und NRW
  • Inhaberin des Büros Planersocietät, Dortmund / Dresden 1992 bis 2001
  • seit 2001 in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bzw. für Stadtentwicklung und Umwelt
  • Gruppenleiterin Zentren, Wirtschaft, gesamtstädtische Entwicklungsstrategien
  • Projektleiterin für strategische Konzepte wie Demografiekonzept, Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030
"Kunst und kulturelle Bildung bereichern Berlin als Metropole, sie bereichern auch Stadtentwicklung und Planung."

Elke Plate ist Projektleiterin für das Stadtentwicklungskonzept Berlin 2030, welches unter der Federführung der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt erarbeitet wird.

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