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Folke Köbberling, Künstlerin

Redaktion Kubinaut: Auseinandersetzung mit dem urbanen Raum steht seit Anbeginn im Zentrum Deiner künstlerischen Arbeit. Was interessiert Dich an diesem Thema?

Folke Köbberling: Der urbane Raum ist das unmittelbare Umfeld von mir, da ich in einer Stadt lebe und nicht im ländlichen Umfeld. So ist es eher die Auseinandersetzung mit meiner Umgebung, wo ich Missstände feststelle und diese mit einfachsten Mitteln versuche zu thematisieren.

RK: Viele der Arbeiten, die Du gemeinsam mit Martin Kaltwasser realisiert hast, fanden unter Beteiligung von unterschiedlichen Gruppen statt: Freunden, Nachbarn, Studenten, Schulen, lokalen Communitys,… Welche Rolle haben die Teilnehmer_innen bei den Projekten?

FK: Am Anfang war es so, dass wir eine etwas größere Idee hatten, nämlich über Nacht ein Haus vor der Gropiusstadt zu errichten, und merkten, dass wir aufgrund des Zeitfensters das nicht alleine stemmen können. Wir fragten StudentInnen und Freunde, ob sie uns zur Hilfe kommen könnten. Das war zum einen ein ökonomischer Grund, aber es hat auch viel mehr Spaß gemacht, so eine Sache mit Freunden zu bauen und vorher ein gutes Essen zu veranstalten. In den Jahren darauf haben wir immer größere Bauprojekte gestartet, und die Bevölkerung eingeladen, mitzugestalten, bzw. einfach mitzubauen. Das hat hauptsächlich gut in Großbritannien funktioniert. Das „Volunteering“ hat dort einen anderen Stellenwert als in Deutschland. Bei der Arbeit „Transit Kitchen“ gab es eine direkte Beteiligung der Teilnehmer mit Ideen und Umsetzungen. Von uns wurde eine Plattform geschaffen, die dann von Interessierten genutzt wurde, um über das Thema der Mobilität öffentlich zu reden.

RK: Was passiert, wenn etwas schief läuft?

FK: Dann gibt es Krisensitzungen und Versuche, es zu lösen. Aber zur Frage, was ist schief gelaufen? Einmal ist ein Pfeiler auf meinen Kopf gefallen. Dann hat mich jemand ins Krankenhaus zum Nähen gebracht. Das war eine ziemlich blöde Sache. Seitdem trage ich meistens einen Bauhelm.

RK: Im Rahmen des Stadtforums 2030 realisierst Du gerade ein Projekt mit der Sophie-Scholl Schule in Berlin Schöneberg. Das Projekt trägt den Titel: Am I a tourist? Was untersucht Ihr konkret? Woran arbeitet Ihr im Projekt?

FK: Es ist auffällig, dass die einzige Branche, die in Berlin boomt der Tourismus ist. Berlin ist momentan Nr. 1 in Europa noch vor Paris und London. Überall sprießen Hotels aus dem Boden. Die Stadt ist bevölkert von Touristen. Heißt das, dass alles teurer wird? Wird es 2030 noch bezahlbare Wohnungen geben oder wird Mitte nur noch von Touristen bewohnt sein, bzw. die Immobilien schon verkauft an globale Investoren? Die SchülerInnen haben Berlin dahin untersucht und sich verschiedene Visionen vorgestellt. Sie haben die Lage mit ihren Mitteln analysiert und daraus ein Liedtext entwickelt und mit dem Künstler Pebert in einen Rap umgesetzt. Gerade arbeiten wir an den Bildern dazu. Das Ganze kommt dann im Frühjahr in Form eines Touristenkioskes in den Außenraum, zurück zu den Touristen, dass diese auch sehen, welche Befürchtungen es von Seiten der nächsten Generation gibt.

Projekt: Am I a tourist, (c) Folke Köbberling
Projekt: Am I a tourist, (c) Folke Köbberling
Projekt: Am I a tourist, (c) Folke Köbberling
Projekt: Am I a tourist, (c) Folke Köbberling
Projekt: Am I a tourist, (c) Folke Köbberling
Projekt: Am I a tourist, (c) Folke Köbberling

RK: Was möchtest Du mit Deinen Projekten bewirken?

FK: Eine schwierige Frage. Erst einmal bin ich Künstlerin und keine Politikerin. Ich versuche mit meinen begrenzten Mitteln, kleine Eingriffe in den öffentlichen Raum vorzunehmen, um die Vorbeiziehenden darin zu sensibilisieren, dass vielleicht mit kleinen Maßnahmen eine große Aufenthaltsqualität geschaffen werden kann, dass es Missstände gibt, dass der öffentliche Raum immer mehr privatisiert wird, dass es immer mehr zu einer Homogenisierung der Innenstädte kommt.

RK: Wie ist Deine persönliche Idealvorstellung für Berlin im Jahr 2030?

FK: Dass es möglich ist, mit einer geringen Miete in der Berliner Innenstadt (innerhalb des S-Bahn Rings) zu wohnen.

RK: Herzlichen Dank für das Gespräch!

Folke Köbberling, geb. 1969 in Kassel, studiert Freie Kunst an der Kunsthochschule Kassel und am Emily Carr Institute of Art and Design in Vancouver, Kanada. Vorträge, Workshops und Lehraufträge u.a. am Art Center College of Design, Pasadena, an der Metropolitan University in London, Universität der Künste, Berlin, Kunsthochschule Kassel, ETH Zürich, Kunsthochschule HFBK Hamburg. Zusammenarbeit mit Martin Kaltwasser seit 2002
Mit ihren subtilen, kritischen und komplexen Bauten und Strukturen arbeiten Köbberling/Kaltwasser an einer Ästhetik des Widerstands gegen unsere eindimensional ausgerichtete Lebensumwelt. Mit ihren Bauprojekten machen sie vielfältigere Formen städtischen Zusammenlebens sichtbar und politisch wirksam. Den konsumistischen Gewohnheiten setzen sie Alternativen entgegen. Die verwendeten Materialien gewinnen sie aus normalerweise unbeachteten Ressourcen. 2010 bauen sie für das Oikos Theatre Festival im Rahmen des London Festival of Architecture das Jellyfish Theatre, eine spektakuläre Architektur, errichtet mit über hundert Freiwilligen im Herzen der britischen Hauptstadt. Im selben Jahr konstruieren sie in Vancouver einen gigantischen Bulldozer aus Restmaterialien der olympischen Winterspiele. Über das Berliner Haus der Kulturen der Welt spannt das Künstlerpaar 2011 ein 140 qm großes Dach, geknüpft aus zehntausenden, nach einem Marathonlauf zurückgebliebenen Plastikbechern. www.koebberlingkaltwasser.de

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