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Anja Edelmann, Kulturagentin

Redaktion Kubinaut: Was interessiert Sie als Künstlerin an Kultureller Bildung im Museum?

Anja Edelmann: Ich liebe Museen. Für mich sind Museen magische Orte. Es sind Tore zu einer ganz besonderen Art von Wissen und Schönheit, man kann dort viel über sich selbst erfahren und lernen. Ich glaube sehr an die Kraft der Objekte in Museen, sie erzählen anders als das meiste, was uns sonst begegnet – in unserer immer virtueller werdenden Welt. Allerdings muss man lernen, Museen bzw. ihre Ausstellungen zu „lesen“. Es braucht Zeit und Muße dazu und es kann sehr hilfreich sein, wenn man dabei klug angeregt und unterstützt wird. Für mich ist die beste Unterstützung diejenige, die es ermöglicht, den Blick zu öffnen, um einen persönlichen und eigenständigen Zugang zu den Dingen und deren Inhalten zu finden und dann natürlich erst recht zu den Inhalten und Aussagen, die das Museum über die Dinge und ihre Geschichten erzählt.

Projekt "Ohnmacht, Angst, Verzückung" (mit je einer Schule aus Wedding und Weißensee), Fotos: Ursula Rogg
Projekt "Ohnmacht, Angst, Verzückung" (mit je einer Schule aus Wedding und Weißensee), Fotos: Ursula Rogg

RK: Wenn Sie mit Schülerinnen und Schülern im Museumskontext künstlerisch arbeiten, worauf kommt es Ihnen dabei an? Wie wichtig ist das Ergebnis der Kunstproduktion und welche Möglichkeiten gibt es dieses zu steuern?

AE: Einen individuellen und eigenständigen Zugang durch künstlerische Prozesse zum jeweiligen Museum bzw. zur jeweiligen Sammlung anzuregen, ist vorrangiges Ziel meiner Arbeit. Das heißt, der künstlerische Prozess steht für mich in meiner Arbeit im Zentrum, weniger der Fokus auf Kunstproduktion. Absicht und Mittel gehen hier sehr gut Hand in Hand – dies lässt sich, bis zu einem gewissen Grad, dann auch als Projektleiterin „steuern“ oder vielleicht besser anregen und unterstützen. Dass ein persönlicher Zugang sowie ein künstlerischer Prozess gelingen, hat meiner Erfahrung nach oft sehr viel mit „Ermächtigung“ zu tun. Bei diesen Prozessen spielt die generelle Haltung des Museums eine wesentliche Rolle.

RK: Als Kulturagentin im Programm „Kulturagenten für kreative Schulen“ initiieren Sie Kooperationen zwischen Museen und Schulen. Welche Aspekte spielen für eine erfolgreiche Kooperation eine Rolle?

AE: Es gibt viele Aspekte beim Gelingen von Kooperation, z.B. ein klares Ziel, also eine klare Motivation für die Kooperation zu haben, sich als Kooperationspartner auf Augenhöhe begegnen zu können, Interesse am jeweiligen Partner zu haben, Zeit für Austausch und eine Offenheit gegenüber den Veränderungsprozessen innerhalb der Kooperation zu besitzen, die Bereitschaft mitzubringen, sich mit dem Kooperationsprozess zu verändern... und vielleicht der wichtigste Faktor von allen: die Chemie zwischen den Partnern muss stimmen.

Projekt " Das Märkische Viertel zu Hause im Bode-Museum" (entstanden im Rahmen des Modellprogramms "Kulturagenten für kreative Schulen"), Fotos: Sigrid Otto und Anja Edelmann
Projekt " Das Märkische Viertel zu Hause im Bode-Museum" (entstanden im Rahmen des Modellprogramms "Kulturagenten für kreative Schulen"), Fotos: Sigrid Otto und Anja Edelmann

RK: Worum geht es Ihnen in den Kooperationen? Welche Möglichkeiten ergeben sich für Sie als Kulturagentin, die andere gegebenenfalls nicht haben?

AE: Als Kulturagentin geht es in meiner Arbeit vorwiegend darum, Impulse zu Kooperationen zu geben, Kooperationsvorhaben zu initiieren und in Kooperationsprozessen beratend und unterstützend tätig zu sein. Ich begleite derzeit parallel unterschiedliche Kooperationsprozesse zwischen Schulen und Kulturinstitutionen und beobachte Ähnlichkeiten und Überschneidungspunkte innerhalb der Prozesse. Für die jeweiligen Kooperationspartner ist die Kooperation ja meist nicht ihr Hauptaufgabenfeld, sondern ist nur ein Nebenschauplatz ihrer Arbeit. Als der aktive Teil im Kooperationsprozess erleben sie ihn von Innen. Der Blick von Außen auf den Prozess und das Spektrum an unterschiedlichen Akteuren und Kooperationen ermöglicht sehr gute Einblicke und vielschichtige Erfahrung.

RK: Wir können uns gut vorstellen, dass es nicht immer nur positive Reaktionen von Kindern und Jugendlichen, mit denen Sie arbeiten, auf das Museum und Ausstellungen gibt. Wie vermitteln Sie in solchen Fällen? Wie beziehen Sie Stellung?

AE: In meiner Arbeit bin ich nicht an ausschließlich positiven Reaktionen interessiert, viel wichtiger ist mir in meiner Arbeit in den Dialog und Austausch mit unterschiedlichen Blickwinkeln, Gedanken, Meinungen und Haltungen zu kommen. Das ist ja das eigentlich Spannende in der Arbeit.

RK: Frau Edelmann, vielen Dank für dieses Gespräch!

Projekt " Das Märkische Viertel zu Hause im Bode-Museum", Fotos: Sigrid Otto und Anja Edelmann
Projekt " Das Märkische Viertel zu Hause im Bode-Museum", Fotos: Sigrid Otto und Anja Edelmann

Seit 2011 ist Anja Edelmann Kulturagentin im bundesweiten Modellprogramm „Kulturagenten für kreative Schulen“. Darüber hinaus ist sie als Lehrbeauftragte an der Universität der Künste Berlin tätig, leitet eigene Kunst- und Kunstvermittlungsprojekte in Kooperation mit Berliner Schulen und Museen wie z. B. dem Bode-Museum und dem Stadtmuseum Berlin und entwickelte und gestaltete Kunstbücher für Kinder zu Ausstellungen und Museen, u. a. im Auftrag der TATE Modern oder der Staatlichen Museen zu Berlin. In ihrer künstlerischen Arbeit bewegt sie sich an der Schnittstelle von Museum, Theater, Performance und Video. Sie studierte Bühnen- und Kostümbild an der Kunstakademie Stuttgart und „Kunst im Kontext“ (M.A.) an der UdK Berlin und war viele Jahre als Bühnen- und Kostümbildnerin, u. a. an der Schaubühne Berlin, am Burgtheater Wien sowie für Opern- und Filmproduktionen tätig. http://www.anja-edelmann.com

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