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6 Schülerinnen über "POP-UP Cranach"

Schülerinnen und Schüler der 11. Klasse der Merian-Schule haben sich im Rahmen des Projekts „POP-UP Cranach“ zusammen mit mehreren Künstlerinnen mit dem Leben und Werk von Lucas Cranach sowie seiner heutigen Bedeutung auseinandergesetzt. Dabei konnten sie in verschiedenen Workshops selbst künstlerisch tätig werden. Die Kubinaut-Redaktion hat sechs Schülerinnen* in Köpenick besucht und zu ihren Eindrücken befragt.

*Namen auf Wunsch geändert

Die sechs Schülerinnen der Merian-Schule. Foto: Kubinaut
Die sechs Schülerinnen der Merian-Schule. Foto: Kubinaut

Redaktion Kubinaut: In dem Projekt „POP-UP Cranach“ habt ihr in drei Gruppen zusammengearbeitet. Woran wart ihr im Einzelnen beteiligt?

A: Wir haben mit einer Foto-Künstlerin zusammengearbeitet. Zum Einstieg haben wir uns in einer Galerie Bilder angesehen und besprochen. Wir sollten uns im Anschluss Collagen in Zeitschriften aussuchen, um ein Gespür dafür zu bekommen, wie Bilder zusammengestellt werden. Daraufhin haben wir Aufnahmen von uns selber gemacht. Das war anfangs ungewohnt und komisch für die meisten, hat aber großen Spaß gemacht.

B: In unserer Gruppe hatten wir an einer Wand Bilder von Cranach hängen, die wir uns aussuchen konnten und mit nur wenigen Requisiten nachstellen sollten. Wir trugen sogar richtige Kostüme, sodass wir uns wirklich wie in seinen Bildern fühlten. In diesen Outfits hat uns ein professioneller Fotograf in heutigen Alltagssituationen wie im Supermarkt oder beim Friseur abgelichtet. Am nächsten Tag haben wir nur noch die Haltungen der Figuren mit wild zusammengewürfelten, modernen Klamotten übernommen.

C: An einem anderen Tag haben wir eine weitere Künstlerin besucht. Das fand ich sehr spannend, weil man sich in ihr Denken hineinfühlen konnte. Man weiß ja nicht immer, was sich ein Künstler tatsächlich denkt oder was der wirkliche Hintergrund seines Bildes ist.

D: Wir haben uns als erstes mit Cranachs Bildern und Leben beschäftigt. Anschließend sollten wir in drei Gruppen eines seiner Bilder zum Vorbild nehmen und eine moderne Version auf einer Leinwand erschaffen. Die Herangehensweise der Gruppen war total unterschiedlich. Unsere Gruppe hat direkt losgemalt, die zweite erst Ideen gesammelt und die dritte Skizzen gemacht.

Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Michaela Englert
Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Michaela Englert
Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Michaela Englert
Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Michaela Englert

RK: Wie war es für euch, mit den Künstlerinnen zu arbeiten?

C: Sie waren alle total offen und haben uns genügend Freiraum gelassen. Wir konnten im Grunde wirklich machen, worauf wir Lust hatten, und wurden bei allen Ideen unterstützt. Wir hatten lediglich die Bilder von Cranach als gemeinsamen Ausgangspunkt.

D: In meiner Gruppe gab es nicht einmal eine Anwesenheitspflicht. Das hat bei allen die Motivation für das Projekt aber nur umso mehr verstärkt. Wir wurden stets gefragt, wie wir uns das Projekt vorstellen und umsetzen möchten. Es wurde auf uns eingegangen und Hintergrundwissen vermittelt. Wir haben gelernt mit unserem Blick zu arbeiten und viel über die Stellung von Frauen in Bildern damals und heute gelernt. Es gab nämlich auch theoretische Phasen wie Vorträge. Wir haben alle Infos gesammelt und in einem Buch zusammen mit den Fotos festgehalten.

RK: Was hat euch am besten aus Theorie, Museumsbesuch und praktischer Arbeit gefallen?

E: Die künstlerische Freiheit war wirklich toll. Wir konnten das  Gesehene und Erlernte kreativ umsetzen. Wir hatten zwar vorgegebene Zeiten, konnten aber auch länger bleiben, um unsere Arbeiten fertigzustellen.

A: Wir waren mit soviel Eifer dabei, dass wir im Grunde jeden Tag länger geblieben sind. Es hat uns alle zusammengeschweißt, da wir so intensiv zusammengearbeitet haben. Mir hat auch die eigene künstlerische Umsetzung am meisten Spaß gemacht, wie mit Cranach-Masken durch Berlin zu laufen und so die Leute zu irritieren.

Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Petra Larass
Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Petra Larass

RK: Wie war denn eure Beschäftigung mit Kunst und Museen vor dem Projekt? War euch Cranach ein Begriff?

D: Ich bin zuvor noch nie in einer Gemäldegalerie gewesen und auch noch nie in einem Museum in Berlin. Ich hatte nur mit Malerei zu tun, wenn mich mein Vater zum Bilderkauf mitgenommen hat.

E: Für Kunstgeschichte oder das Leben eines Künstlers habe ich mich eher weniger interessiert, dafür umso mehr, was er geschaffen hat. Ich beschäftige mich auch jetzt noch  lieber mit einem Gemälde und seiner direkten Wirkung. Ich kannte Cranach zwar nicht, aber ich male selbst und arbeite künstlerisch an meinem Computer. Das wurde durch das Projekt verstärkt.

RK: Wie habt ihr euch zum ersten Mal im Museum gefühlt?

D: Ich fand die Atmosphäre sehr angenehm und war positiv überrascht, da ich mir den Besuch eher langweilig vorgestellt habe. Aber es gab viel mehr zu sehen als nur Bilder, nämlich auch Videos und Installationen. Man konnte dort  Dinge sehen, die die eigene Phantasie übersteigen und die man im Alltag nicht vermittelt bekommt. Ich wusste zuvor gar nicht, dass es so viele Formen von Kunst gibt.

RK: Werdet ihr euch weiter mit Kunst befassen und würdet ihr die Cranach-Ausstellung auch in eurer Freizeit besuchen?

D: Ich würde auf alle Fälle Ausstellungen in Museen besuchen, weil man ganz andere Sachen erfährt und lernt, Dinge auch anders zu sehen. Wir haben jetzt auch in der Schule mit Kunsttheorie angefangen und erhalten einen neuen Blick auf Kunstwerke.

E: Ich habe seit dem Projekt angefangen auch privat auf Leinwänden zu malen und werde das auch weiterführen.

C: Ich fand es im Museum zwar auch interessant, aber manchmal auch etwas langatmig bei jedem Bild so lange Zeit zu verweilen und nur zuzuhören. Die Cranach-Ausstellung werden wir uns aber alle im Rahmen des Projekts ansehen.

Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Petra Larass
Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Petra Larass

RK: Warum könnte es wichtig sein, sich mit 500 Jahre alter Kunst auch noch heute zu befassen?

E: Durch die Bilder erhält man einen Einblick, wie die Menschen die Welt früher gesehen und auch wie sie gelebt haben.

B: Es ist interessant durch die Bilder zu erfahren, woran die Menschen geglaubt haben. Viele Dinge stimmen heute ja gar nicht mehr und auch die Technik ist heute viel weiter. Ohne die Gemälde hätte man keine konkrete Vorstellung, wie vieles ausgesehen hat.

A: Aber auch die Veränderung von Kunst an sich kann man so vergleichen. Bei heutiger Kunst denke ich mir oft, dass weniger darüber nachgedacht worden ist. Bei Cranach habe ich den Eindruck, dass da eine intensivere Auseinandersetzung mit den Bildern stattgefunden hat.

RK: Was könnte man beim nächsten Projekt anders machen?

B:  Da das Projekt so schnell vergangen ist, hätte ich gerne mehr Zeit dafür gehabt. Wir haben uns gerade erst in die Prozesse eingearbeitet und dann war es auch schon wieder vorbei.

D: Ich wünsche mir, dass solche Projekte öfters mit Schülern durchgeführt werden - nicht nur mit uns, sondern mit allen Schulen.

Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Schülerinnen
Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Schülerinnen

RK: Was war das Besondere an dem Projekt im Vergleich zum regulären Schulunterricht?

D: Wir haben in dieser Projektwoche Dinge gelernt, die man in der Schule gar nicht vermitteln kann. Wir haben Kunstunterricht nur eine Doppelstunde pro Woche. Im Projekt konnten wir viel tiefer in die Thematik eintauchen. Durch die intensive Woche waren wir wirklich gefesselt von dem Projekt.

B: Anders als in der Schule war dieses Projekt freiwillig und wir wurden nicht benotet, sodass es keinen Leistungsdruck gab.

RK: Gab es auch Jugendliche, die sich nicht eingebunden haben?

F: Es gab nur ein oder zwei, die nicht erschienen sind oder sich zumindest nicht eingebunden haben.

A: Aber ich finde es auch gut, dass die nicht gezwungen wurden zu erscheinen. Ansonsten hätten sie nur die Stimmung bei allen anderen gedrückt und manche auch verunsichert.

RK: Viele Dank für das spannende Interview!

Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Schülerinnen
Projekt Kick-Off Cranach, Projektwoche mit der Merian Schule, Foto: Schülerinnen

Zum Projekt:
Im Herbst 2014 zeigt das Alice – Museum für Kinder im FEZ-Berlin in der Gemäldegalerie die interaktive Ausstellung für Kinder, Jugendliche und Familien „Pop up Cranach“. Schüler_innen haben zuvor im Workshop-Projekt „Kick-off Cranach“ gemeinsam mit Künstler_innen die Cranach-Bilderwelten erforscht.

Projektteam: Petra Larass und Rebecca Raue (Projektleitung) sowie Kirsten Burger, Michaela Englert und Hanna van Ginkel (Künstler)
Bildungspartner: Lemgo-Grundschule (Kreuzberg), Merian-Schule (Köpenick), Kita Hoppetosse
Kooperationspartner: Alice – Museum für Kinder im FEZ-Berlin
Förderer: Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung

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