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Ulrich Huhn, Francesco Cuervo, TanzZeit

Wir sprechen mit den Tänzern und langjährigen TanzZeit-Pädagogen Ulrich Huhn und Francisco Cuervo über die tänzerische Arbeit an Schulen. Gemeinsam mit der Klasse 5F der Regenbogen-Schule haben sie für die 9. TanzZeit-Werkstattpräsentationen das Stück WOHIN? entwickelt: Wir balancieren, streicheln und kicken mit dem Körper unsere Imaginationen, die wir dann ganz sanft zu Boden gleiten lassen. Geradlinig gehen wir unsere Wege, achten auf uns selbst und die anderen.

Interview und Fotos: Dominik Rauchfuß

Was verbindet euch mit TanzZeit – Zeit für Tanz in Schulen? Wie seid ihr dazu gekommen?

U: Ich bin seit 7 Jahren Teil von TanzZeit. Ich finde das Projekt toll, da es in einem sozialen Kontext stattfindet. Es ist sehr realitätsnah und nicht nur rein kunstorientiert, nicht nur l´art pour l´art. Diesen Aspekt finde ich auch anstrengend, aber ich liebe ihn sehr. Ich habe sicherlich schon um die 35 bis 45 Projekte durchgeführt; pro Jahr sind es drei bis vier.

F: Ich bin eigentlich kein Pädagoge, erst durch TanzZeit und die Arbeit mit den Kindern hat sich das entwickelt. Die Arbeit ist sehr reizvoll und anspruchsvoll, denn wir wollen einerseits etwas Künstlerisches erschaffen und müssen aber gleichzeitig auch erziehen. Diese zwei Schienen reiben sich manchmal und produzieren Widerstände.

Was hat TanzZeit mir eurer tänzerischen Arbeit gemacht?

F: Wir arbeiten bei TanzZeit mit Laien, normalerweise habe ich mit erfahrenen Tänzern zu tun. Profitänzer sind aber bereits vorgeprägt und verlieren ihre Natürlichkeit beim Tanzen.

U: Ich finde die Widerstände bei Laien sehr spannend. Es geht nicht darum, was jemand schon kann, sondern darum etwas gemeinsam zu machen. Das ist weniger narzisstisch und unmittelbarer. Dieser Mangel an Können ist gleichzeitig ein Reichtum.

Worin lag der Ansatz für das Tanzstück WOHIN?, das ihr heute aufgeführt habt?

U: Die Idee war mit etwas Sichtbaren zu arbeiten und es dann wieder wegzunehmen. Dazu haben wir mit einem imaginären Gegenstand, dem lyrischen Bild des Luftballons gearbeitet. Ein anderer Gedanke war etwas hinzuzufügen, das technisch kühl, kantig und hart ist, und dem Weichen und Lyrischen gegenüberzustellen. Dafür hat sich eine einfache Matrix angeboten, eine Aufmerksamkeitsübung, die bspw. im Tanz und Theater angewendet wird. Auf der Bühne entsteht Folgendes: man läuft Gefahr beim Rückwärtsgehen in jemanden hineinzulaufen und muss achtsam sein. Das Risiko fährt die ganze Zeit mit und erzeugt Spannung, denn es kann eine Karambolage geben.

In der Kulturellen Bildung wird die stärkere Mitbestimmung und Einflussnahme der Kinder gefordert. Wie geht ihr damit um?

U: Das Verhalten der Kinder oder Klassen ist immer eine Inspirationsquelle für uns, auch in den Pausen wird aus dem Spiel der Kinder etwas für die Stücke abgeleitet. Wir entnehmen etwas aus der Spielsituation der Kinder. In dem Alter sind die Kinder in der Lage wie eine Naturgewalt zu improvisieren, weil sie eben spielen. Wir wollen es nicht nur beim Spiel belassen, sondern dem eine künstlerische Form geben. Es geht über das Beisichsein hinaus und dabei werden auch Erwartungen gebrochen.

Wie haben die Kinder die Aufführung erlebt?

U: Die Kinder haben Spaß gehabt und waren konzentriert.

F: Die letzten Proben vor der Aufführung waren die schwierigsten. Kinder verstehen oft nicht, weshalb sie etwas perfektionieren sollen. Dadurch ging die Spannung ein wenig verloren. Erst hier im Grips ist sie wieder entstanden.

Wie oft habt ihr geprobt?

U: Es waren insgesamt  28 Termine á 90 Minuten. Tanzen macht viel Arbeit und nicht immer nur Spaß. Es geht nicht nur darum, einen Moment zu vermitteln, sondern auch eine Form. Das zu kommunizieren ist manchmal schwer.

F: Die Kinder fragen ja auch bei den Proben, wann der Spaß endlich anfängt, wann sie endlich tanzen können ohne zu verstehen, dass sie schon längst tanzen. Unter Tanzen verstehen sie oft das, was sie aus dem Fernsehen kennen.

U: Und ja, es ist leichter mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, die aus bildungsnahen Elternhäusern kommen. Dieses medial vermittelte Bild, dass Tanz nur Hip-Hop oder Showdance sei, findet sich eher in den sozialen Brennpunktschulen.

Aber euer Vermittlungsansatz kommt trotzdem bei allen an!

U: Die erwähnte Matrix dient zum Beispiel dazu, sich auch damit auseinanderzusetzen, was vor, hinter und neben einem passiert. So wird Konzentration und Spannung erzeugt und das erleben auch alle Kinder so. Und dennoch ist irgendwann der Moment des Neuen weg. Und da muss man hartnäckig bleiben und daran glauben, dass diese Unlust wieder vergeht.

Gibt es spezielle Übungen, damit sich die Kinder besser auf den Prozess einlassen können?

F:  Zum Aufwärmen wird viel improvisiert, gespielt und es werden Rituale eingebaut.

U: Schrift wird benutzt, um mit den Körperteilen etwas in den Raum einzuschreiben. Ich habe an der Lina-Morgenstern-Schule unterrichtet und da wollten sich die Kinder erst gar nicht auf das Tanzen einlassen. Wir haben sie dann völlig alleine etwas gestalten lassen und im Gegenzug haben sie sich auf uns eingelassen. So konnten wir auch etwas Interessantes auf die Beine stellen. Man muss auch damit rechnen, dass man als Lehrer nicht akzeptiert wird. Ich wäre vermutlich als Jugendlicher auch auf die Barrikaden gegangen, wenn mir ein 50-Jähriger gesagt hätte, wie ich tanzen soll.

Und wenn eine neue Schule Lust auf ein TanzZeit-Tanzprojekt hat, wie sollte sie am besten vorgehen?

F: Bei TanzZeit gibt unterschiedliche Projekte, die man wählen kann, wie Junior 1 und 2 oder die länger andauernden Master.  Bei Junior 1 ist man nicht verpflichtet, am Ende etwas auf der Bühne zu zeigen. Für das kommende Schuljahr ist der Bewerbungszeitraum abgeschlossen; der nächste startet im April/Mai 2015.

U: Viel Werbung findet an den Schulen selbst statt und dann gibt es die Werkstattpräsentationen, um Kontakte aufzubauen oder zu sehen, was TanzZeit eigentlich macht. So kann man sich erst einmal herantasten. Aber ich habe da kein Rezept parat. Es handelt sich immer um eine Kennenlern- und Verführsituation. Es geht nicht nur um etwas Therapeutisches, sondern auch darum etwas zu zeigen. Und ich bemerke immer wieder, dass es Kindern darum geht, im Mittelpunkt zu stehen. Schüchterne und widerborstige Kinder lernen auch das Tanzen zu genießen.

Herzlichen Dank für Eure Gedanken und Eindrücke!

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