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BEAK Marzahn-Hellersdorf

Kinder sollen bereits im Alltag, also im Kleinen, Anknüpfungspunkte im großen Feld kultureller Bildung finden können.

Stellungnahme des Bezirkselternausschuss Kita Marzahn-Hellersdorf zum Positionspapier der Denkwerkstatt Kulturelle Bildung

Autorin: Konstanze Gergs

Der Bezirkselternausschuss Kita (BEAK) Marzahn-Hellersdorf begrüßt das Konzept zur Weiterentwicklung des Berliner Rahmenkonzeptes Kulturelle Bildung, sieht aber auch Verbesserungspotential. Der BEAK führte bereits im Frühjahr 2014 eine Veranstaltung zum Thema „Frühkindliche kulturelle Bildung“ durch. Ausgehend vom Berliner Bildungsprogramm beschäftigten wir uns u.a. mit der Vielfalt des Begriffs, welcher mit einer ganzen Reihe von Schwerpunkten verbunden ist: Angefangen bei der Kommunikations- und Schriftkultur, über weltanschauliche und religiöse Familienkulturen, Stadt- kultur und demokratische Kultur bis hin zu Musik und Kunst. Der Begriff „kulturelle Bildung“ steht hier also nicht allein für die musisch-künstlerischen Bereiche, sondern muss in seiner Gesamtheit betrachtet werden. Das bedeutet auch, den Kindern die unzähligen Möglichkeiten des Lebens und des Lernens zu zeigen; den Bezirk, in dem sie leben, kennenzulernen und sich mit diesem zu identifizieren; gemeinsame Projekte zu gestalten, sich mitmenschlich näher zu kommen und wert zu schätzen, einen „Blick von außen“ zuzulassen, das Wohn- und Lebensumfeld wertzuschätzen. Dies kommt im vorliegenden Positionspapier leider nur unzureichend vor. Kulturelle Bildung sollte als ein Teil der allgemeinen Bildung gesehen werden und steht dabei – neben dem Elternhaus – auch in öffentlicher Verantwortung.

Kulturelle Bildung ist ein Thema für alle Altersgruppen unserer Gesellschaft, Kinder und Erwachsene benötigen daher entsprechende Angebote und auch den Raum, Erfahrungen machen zu dürfen. Wir begrüßen die Handlungsempfehlung der Denkwerkstatt Kulturelle Bildung dahingehend und auch, dass die Partizipation und Mitgestaltung bei der Erstellung solcher Angebote hervorgehoben wurde. Insgesamt ist uns aus Sicht von Kita-Eltern diese Altersgruppe noch zu wenig im Fokus der Betrachtungen. Denn kulturelle Bildung fängt praktisch mit der Geburt an und wird mit dem Besuch der Kindertagesstätte zum ersten Mal institutionalisiert. Entsprechend sollten die sehr guten theoretischen Vorgaben des Berliner Bildungsprogramms auch praktisch unterstützt werden. Die Kooperation mit kulturellen Einrichtungen im jeweiligen Einzugsbereich der Kitas ist ausbaufähig. Wichtig ist es aus unserer Sicht, mit der Handlungsempfehlung einen Bewusstseinswandel dahingehend anzustoßen, dass Kulturelle Bildung viel mehr bedeutet, als explizite Kulturräume zu schaffen: Kinder sollen bereits im Alltag, also im Kleinen, Anknüpfungspunkte im großen Feld kultureller Bildung finden können. Dazu gehört das Sammeln eigener Erfahrungen, was erst die Ausformung und Ausprägung ihrer individuellen Fähigkeiten ermöglicht.

Um diesen Weg zu gehen, ist es sehr wichtig, dabei unterstützen wir die Handlungsempfehlungen der Denkwerkstatt Kulturelle Bildung, bereits vorhandene und auch entstehende Orte im öffentlichen Raum sichtbar und damit nutzbar zu machen. Eine Vernetzungsstelle im jeweiligen Bezirk, wie im Positionspapier vorgeschlagen, wäre aus unserer Sicht sinnvoll. Es ist aber eben nur ein „strukturelles Puzzleteil“, auf das – wie oben beschrieben – aus unserer Sicht die Handlungsempfehlung nicht reduziert werden sollte. Bereits in der ersten Auflage des Rahmenkonzepts Kulturelle Bildung (Mai 2008) wurde die regionale Vernetzung von Kitas und regionalen Akteuren als Handlungsfeld angedacht. Hier sind wir aus unserer Sicht noch am Anfang des Weges. In Vorbereitung unserer Veranstaltung zum Thema „Frühkindliche kulturelle Bildung“ haben wir unter Eltern und Kitas eine Umfrage durchgeführt, um herauszufinden, welche Orte der kulturellen Bildung bekannt sind bzw. genutzt werden. Als Ergebnis stellten wir den Bedarf nach einer Übersicht solcher Orte für unseren Bezirk fest, denn viele vorhandene Orte aus der näheren Umgebung sind den Einrichtungen und Eltern unbekannt. Daraufhin haben wir eine erste (noch lückenhafte) Übersicht erstellt: Kultur in Marzahn-Hellersdorf. Wünschenswert wäre es, ein Onlineangebot zur Bündelung der Angebote und Vernetzung der Akteure zu erstellen.

Die Idee der Einberufung eines Rats für kulturelle Bildung begrüßen wir insofern, als dieser Rat unsere Bitte nach einer Vernetzungsstelle zwischen den Fachbereichen Familie und Kultur unterstützen würde. In diesen Rat sollten auch Elternvertreter der Bezirkselternausschüsse von Kita (BEAK) und Schule (BEAS) geladen werden. Aus unserer Sicht fehlte in der Diskussion der Ergebnisse, vor Veröffentlichung des Positionspapiers, die Einbindung der Elternsicht vollkommen. Daher sollte die Elternvertretung als gesetzlich verankerte Institution in Zukunft einbezogen werden.

Wir fordern für unseren Bezirk deshalb konkret eine stärkere Zusammenarbeit zwischen den bereits bestehenden Netzwerken wie dem Bunten Tisch sowie dem Fachbereich Jugend und Kultur und auch den Bezirkselternausschüssen. Gerade im Hinblick auf das geplante Themenjahr 2015 „Kulturelle Bildung“ in Marzahn-Hellersdorf wäre das ein guter Anfang und ein passende Anknüpfung an das Forum für Kulturelle Bildung verbunden mit den Handlungsempfehlungen aus dem vorliegenden Positionspapier der Denkwerkstatt Kulturelle Bildung.

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