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Astrid Weber, Google

„Mein Studium an der Universität der Künste Berlin hat die Voraussetzung für mein offenes, neugieriges und kritisches Denken gesetzt.“

Wir haben uns mit Astrid Weber über Kunst im Kontext von Technologie und innovativer Unternehmenskultur unterhalten. Astrid arbeitet als User Experience Researcher für Google im Bereich Accessibility in San Francisco, Kalifornien. An der UdK Berlin hat sie Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert.

Interview: Dominik Rauchfuß

Astrid und Android

Redaktion Kubinaut: Der Film “The Internship” aus dem Jahr 2013 erweckt den Eindruck, als würde Google großen Wert auf eine innovative und kreative Arbeits- und Lernkultur legen. Du kennst die Realität.

Astrid Weber: Bei Google beginnt Innovation bereits bei der Gestaltung von Räumen und der Atmosphäre der Zusammenarbeit. Jeder Mitarbeiter soll sich wohlfühlen und Spaß an seiner Tätigkeit haben. Neben dem Umfeld glaubt Google daran, dass innovative Arbeitskultur auch durch Techniken wie Nutzerzentrierte Gestaltung und Design Thinking manifestiert wird. Es werden Trainings und Weiterbildungen in diesen Bereichen für alle Mitarbeiter angeboten.

Kubinaut.de ist eine Anlaufstelle für eine große Bandbreite von künstlerisch-kreativen Projekten und Programmen, die in Berlin stattfinden. Die Arbeit mit professionell ausgebildeten Künstler*innen ist in vielen Projekten entscheidend. Wie fließen künstlerische Strategien in die Unternehmenskultur von Google ein? Arbeiten bei euch viele Künstler*innen?

Ich glaube, dass Googles Kultur in der Tat eine künstlerische, im Sinne von erschaffender Komponente hat. Künstlerisches Denken ist bei uns jedoch kein Selbstzweck sondern geht stets einher mit produktspezifischen Überlegungen. Wir fordern uns selbst jeden Tag aufs Neue heraus der Prämisse "10x Thinking" zu folgen und wilde Innnovationsideen zu entwickeln. Wir fragen uns im ersten Schritt dabei nicht, ob eine Idee in der heutigen Welt realisierbar ist. Schließlich ist es unsere Aufgabe die Welt von morgen zu erschaffen und Dinge möglich zu machen, die zuvor als unmöglich galten. Dafür brauchen wir künstlerischen Wagemut und Begeisterung zur Erprobung von Neuem.

Google Mountain View, Global Headquarter


Stichwort Bildung und Wissenschaft: Google unterstützt in Deutschland Initiativen wie FragFinn.de oder das Berliner Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft im Bereich Forschung. Welche künstlerisch-kreativen Initiativen gibt es?

Das Google Art Project hat es sich zur Aufgabe gemacht die Museen und die Kunst dieser Welt zugänglich für alle Menschen an allen Orten dieser Welt zu machen. Dies ist eines von vielen Projekten, an dem wir keinerlei Geld verdienen. Wir glauben, dass es eine tolle Idee ist und dass es möglich ist Kunst und Wissen allen Menschen zugänglich zu machen.

Du hast lange Zeit in Berlin gelebt und hier studiert. Wie würdest du den Umgang mit technischen Medien in Deutschland im Vergleich zu den USA beschreiben? Wie hast du das erlebt? 

Berlin ist eine der kreativsten und inspirierendsten Städte der Welt. Die Stadt bietet viele Freiheiten und die können meiner Meinung nach gar nicht hoch genug geschätzt werden. Das beginnt mit der Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft und setzt sich an freien und kreativen Orten, die noch nicht besetzt und vereinnahmt wurden, fort.

Mein Studium an der UdK hat die Voraussetzung für mein offenes, neugieriges und kritisches Denken gesetzt. Bei Google treffen Menschen mit einer Fülle von Erfahrungen und Spezialisierungen aufeinander. Dabei erlebe ich meinen gestalterischen Hintergrund in Verbindung mit der Technikkompetenz meiner Kollegen als große Bereicherung. Das Technologieverständnis in Silicon Valley ist einmalig und schwer mit Berlin oder Deutschland vergleichbar. Die Risikobereitschaft und das Selbstverständnis, dass Erfolg oftmals mit Scheitern und anfänglichen Rückschlägen einhergeht, schafft ein Klima, in dem sich überdurchschnittlich viele Menschen ermutigt und inspiriert fühlen neue Ideen auszuprobieren und die Dinge um sich herum neu zu denken. In Deutschland ist dieses Denken meiner Erfahrung nach immer noch Novum, aber das ändert sich. Start-ups erobern Berlin und auch mein spezifischer Schwerpunkt der Mensch-Computer-Interaktion gewinnt kontinuierlich an Beliebtheit und Bedeutung in der deutschen Akademia, wie auch der Unternehmenslandschaft.

Welchen Herausforderungen müssen wir uns aus Sicht eines globalen Unternehmens in den nächsten 10 Jahren stellen, wenn es um die Verschränkung von Medien, Kunst oder Kultureller Bildung geht?

Unternehmen werden in der Zukunft sicher eine zunehmend wichtigere Rolle im Kunst- und Kulturbereich spielen. Das Google Art Project ist ein Beispiel dafür, wie Technologie das Erleben und Zugänglichmachen von Kunst verändert. Die Veränderung der Welt durch die Technologisierung, wie wir sie derzeit erleben, wird vor der Kunst nicht halt machen und gleichzeitig wird die Kunst nicht davor halt machen, die Welt mit all ihren Unternehmungen in ihren neuen Facetten kritisch zu begleiten und kontinuierlich zu hinterfragen. Ich denke das wird ein spannender Dialog.

Astrid, vielen Dank für die Beantwortung unserer Fragen und viel Spaß im sonnigen Kalifornien!

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To be continued… :-) – Kommentare herzlich willkommen!

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