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Thomas Wolf, Bettina-von-Arnim-Schule

„Im Kunstunterricht ist prinzipiell alles ein Medium.“

Wie lassen sich Medien im Kunstunterricht optimal einsetzen? Wir sprachen mit dem Kunsterzieher der Bettina-von-Arnim-Schule Thomas Wolf.

Interview: Frauke Schild und Dominik Rauchfuß, Foto: Selfie

Redaktion Kubinaut: du bist Künstler und Kunstlehrer an der Bettina-von-Arnim-Schule in Reinickendorf, die einen künstlerischen Schwerpunkt hat. Wie unterscheidet sich diese Schule von anderen Schulen?

Thomas Wolf: Die Bettina-von-Arnim-Schule ist eine frühere Modellschule mit einem musisch-künstlerischen Profil, was bedeutet, dass wir z.B. im Zusatzbereich der Mittelstufe verstärkt künstlerische Kurse bieten. Aufgrund des Modellcharakters können sich die Schüler*innen schon in der Mittelstufe eigene Schwerpunkte setzen. In der angegliederten Oberstufe finden weiterhin regelmäßig Zusatzkurse im Kunstbereich statt. Kunst und Musik können darüber hinaus als Leistungskurse belegt werden. 

Wie bist du zur Kunst gekommen?

Seit meiner Jugend hat es mir Spaß gemacht, mich künstlerisch zu entwickeln.

Uns interessiert, wie sich die Potenziale von Kunst und Medien in Schule gegenseitig befruchten können. Wie machst du Kunstunterricht und wie verknüpfst du den Unterricht mit Medien?

Im Kunstunterricht ist prinzipiell alles ein Medium. Dieses Bewusstsein bei den Schüler*innen zu wecken, ist für mich das große Potenzial von Kunstunterricht. Im Unterricht ist es mir wichtig, dass die Schüler*innen lernen mit Medien als Material umzugehen. Sie erkunden eigenständig „Alte“ Medien sowie „Neue“ Medien, experimentieren mit ihnen oder spielen mit unterschiedlichen Nutzungsmöglichkeiten. Neue Medien eignen sich sehr gut für eine multimediale Präsentation. Das wäre dann zum Beispiel ein klassischer Anwendungsfall.

Also experimentiert ihr mit Powerpoint und Prezi? Wie genau macht ihr das?

Powerpoint ist nur eine Möglichkeit und dabei auch etwas eingeschränkt. Vielmehr geht es darum, unterschiedliche Präsentationsmittel zu reflektieren, und dafür ist der Kunstunterricht bestens geeignet. 

Wenn man beispielsweise eine Fotostory umsetzen möchte, kann man dies klassisch in Printform realisieren. Interessanter wird es, wenn man zusätzlich zur Bildebene in einer multimedialen Präsentation noch Ton und eventuell kleine Videoschnipsel integriert. Man kann das Ganze auch weiterspielen und im öffentlichen Raum mit QR-Code arbeiten. Dazu werden QR-Codes quasi als Spur gelegt. Sie können mit dem Smartphone abfotografiert werden und führen zu einer Webseite, mit der die Geschichte ganz anders erzählt wird. 

Ein Pad oder Smartphone zu bedienen, fällt den meisten Kindern und Jugendlichen sehr leicht. Welchen Umgang mit Medien beobachtest du bei deinen Schüler*innen und welche Fragen stellen sie dir?

Fragen von Schüler*innen bekomme ich bezüglich dieser Medien keine. Meine Beobachtung ist eher, dass diese Medien wenig zur künstlerischen Produktion genutzt werden. Sie sind eher Konsummedien und keine Produktionsmedien.

Wie regst du die Schüler*innen zur Medienproduktion an? 

Indem ich zum Beispiel in der Jugendkunstschule Atrium im Vormittagsbereich für Schulklassen Videos oder Animationen erstelle, die die Schüler*innen auch mit ihren eigenen Handys realisieren können. 

Wenn du Unterricht nach deinen Vorstellungen und Wünschen gestalten dürftest…

… dann würde ich das spielerische Potenzial und das Experiment mit viel Material fördern, aber eigentlich mache ich das an vielen Stellen sowieso schon. Am liebsten würde ich noch öfter projektorientiert arbeiten, gerne auch sparten- und fächerübergreifend. Das Stundenraster engt manchmal sehr stark ein.

Was ist der Unterschied zwischen Unterricht und einem Projekt?

Wie schon angedeutet, der Unterricht ist begrenzt und in sich abgeschlossen. Im Gegensatz dazu kann ein Projekt längerfristig und damit kontinuierlicher angelegt sein – Aufmerksamkeit und Interesse der Schüler*innen werden besser gehalten. Zu erleben ist das immer wieder an Projekttagen.

Lass uns über deine Projekterfahrungen an der Schnittstelle von Medien und Kultureller Bildung sprechen. Gab es Projekte, die dir besonders in Erinnerung geblieben sind?

Ja, ich habe einige Projekte im Rahmen des Unterrichts gemacht. Unsere Schule ist seit drei Jahren am Programm „Kulturagenten für kreative Schulen“ beteiligt und hier haben sich schon sehr spannende und gelungene Projekte ergeben.

Bei dem Education-Projekt „Wege des Erinnerns“ in Zusammenarbeit mit den Berliner Philhamonikern und dem Musikprofilkurs des Musikgymnasiums Carl Philipp Emanuel Bach in Mitte ging es darum, einen künstlerischen Zugang zu einer Uraufführung des Komponisten Mark-Anthony Turnage zu finden. Die Kurse Musik, Kunst, und Darstellendes Spiel der Oberstufe haben mit Berliner Philharmonikern versucht, einen persönlichen Zugang dazu zu finden, wie eine Uraufführung von der Auftragsvergabe  bis zum Konzert entsteht. Unter Leitung des „Rythm is it!“-Regisseurs und Filmemachers Enrique Sánchez Lansch habe ich mit meinem damaligen Profilkurs während der Probenbesuche kleine Kurzfilme auf der Grundlage der Noten realisiert, welche anschließend im Foyer der Philharmonie als Einführung in die Uraufführung gezeigt wurden. 

Welche Rolle spielen außerschulische Aktivitäten?

Es geht bei solchen Projekten meines Erachtens darum eine Kommunikationsform zu finden, die eine Nachhaltigkeit und Kontinuität im Schulalltag erzeugen kann. Ziel ist es, solche Projektformen besser in den Schulalltag zu integrieren. In dieser Verzahnung sehe ich aber das größte Problem.

Wieso, weil Schule zu starr ist?

Wenn man es schaffen könnte diese Erfahrungen kontinuierlich im Regelunterricht zu integrieren, hätte man viel gewonnen. Wir haben bei uns an der Schule schon sehr gelungene Ansätze. Unser Bettina-von-Arnim-KunstFORUM, in Kooperation mit dem wannseeFORUM und der Jugendkunstschule Atrium, wird nun über die Oberstufe  hinaus auf den Mittelstufenbereich erweitert. Für mich geht es darum, die Projektarbeit in den Regelunterricht zu integrieren. Es ist machbar und unsere Schule bietet dafür auch einen gewissen Spielraum. Nein, zu starr ist Schule nicht, die Möglichkeiten hat man... 

Du hast hier und jetzt die Möglichkeit das Thema medien@kulturelle_bildung mit deinem speziellen Blick auf den Prüfstand zu stellen. Was läuft gut? Was ist ausbaufähig?

Ich finde es wichtig, dass Kontinuität und Anwendungsmöglichkeiten für die Schule geschaffen werden, die nachhaltig über ein Projekt hinaus wirken. Das könnte zum Beispiel über Kooperationen erfolgen. Dabei ist es immer wichtig, auch konkret auf den Bedarf jeder einzelnen Schule einzugehen. Fortsetzungsreihen zu schaffen ist wichtig und darüber hinaus kritische Reflexion und Evaluation mit einfließen zu lassen – vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit für Schule.

Lieber Thomas, herzlichen Dank für deine Perspektive!


Über Thomas Wolf
geboren 1968 in Stuttgart, Studium an der Hochschule der Künste Berlin (heute UdK Berlin), 1. Staatsexamen und Meisterschüler bei Leiko Ikemura, seit 2001 Kunsterzieher an der Bettina-von-Arnim-Schule in Reinickendorf, Leitung diverser Multimediakurse als Klassenprojekt und verschiedener Werkstätten bei den „Zentralen Künstlerischen Werkstätten der Berliner Schulen“ in der Jugendkunstschule Atrium.

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