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One Day I went to *idl - ein Theaterprojekt von und mit Refugees und postmigrantischen jungen Erwachsenen

One Day I went to *idl ist eine Produktion der akademie der autodidakten des Ballhaus Naunynstraße und wurde dort 2015 uraufgeführt. Im Stück geht es um das Leben von geflüchteten und postmigrantischen jungen Erwachsenen. Kubinaut interviewte Adrian Figueroa, Theresa Henning und Afrikan Boy aka. Shola, den Leiter*innen bzw. Initiator*innen des Projekts. Kubinaut sprach mit ihnen über den Verlauf des Projekts und ihre Sicht auf Diversität.

Interview: Caroline Froelich

Könnt ihr  kurz beschreiben, wie ihr euch als Team zusammen gefunden habt und was euch dabei wichtig war?

Shola:  Adrian kam mit der Idee auf mich zu, mein Lied One Day I Went to Lidl zu einem Theaterstück werden zu
lassen, das von asylsuchenden Menschen, Migration und Identität handelt.
Adrian: Theresa und ich sind in die Schule an der Ohlauerstraße gegangenn, wo Geflüchtete gelebt und die Schule besetzt hatten. Wir haben damals mit Sister Mimi, der Leiterin der besetzten Schule gesprochen, die großer Fan von African Boy war. Daraufhin ist diese Idee mit One Day I Went to *idl entstanden.
Die akademie der autodidakten war in diesem Zusammenhang eine spannende und wichtige Plattform, denn wir wollten ein Stück mit der Community zusammen machen. Diese sollte sich dann im Idealfall - wie es bei uns geschehen ist - selbst organisieren. Theresa, Shola und ich sollten nur begleitend am Prozess teilnehmen.

Könnt ihr was zu eurer Arbeitsweise und zur Stückentwicklung sagen?

Adrian:  Wir haben uns überlegt, was für Strategien es gibt, um Selbstermächtigung zu ermöglichen. Als Ausgangspunkt haben wir uns auf folgende Themenbereiche konzentriert:  Freiheit, Widerstand und Kunst als Waffe.
Wir hatten eine gewisse Fluktuation, was der Situation einiger unserer Teilnehmer*innen als Geflüchtete/Asylsuchende schuldig war. Das hat natürlich auch unsere Arbeitsprozesse beeinflusst. So konnten Leute nicht immer erscheinen, weil sie zum Amt mussten. Auch wenn man* immer denkt, Theater sei ein Utopie-Ort, die Realität hat uns bei diesem Projekt eigentlich ständig immer wieder eingeholt.
Shola: Wir haben auch über mehrere Monate Workshops gemacht, um die Geschichten zu entwickeln, die im Stück erzählt werden. Diese Sessions wurden entworfen, um unseren Teilnehmer*innen zu helfen echte Geschichten aus ihren Leben zu erzählen und uns zu erlauben diese in das Stück miteinzubringen.
Theresa: Ich muss das mit den Workshops nochmal betonen, weil sie ein existenzieller Part unserer Arbeit waren. Das steht total im Zusammenhang mit der Arbeit der akademie der autodidakten. Die Partizipation, das eigene Entwickeln von Sachen - wie möchte ich mich sehen bzw. präsentieren und welche Inhalte möchte ich auf die Bühne bringen -  soll komplett von den Teilnehmer*innen ausgehen. Die Workshops waren der Hauptteil von allem. Dort wurden eigene Sachen geschrieben und auch Beats entwickelt.
Es gab insgesamt drei Workshops: einen Schreib- und Schauspielworkshop, einen Film-  und einen Musikworkshop.

Fotocredit: NUZIA
Fotocredit: NUZIA

Welche Schwierigkeiten und Chancen haben sich aus der vielfältigen Zusammensetzung ergeben?

Shola:  Eine Schwierigkeit waren die Sprachbarrieren, die sich ergaben. Wir hatten eine sehr vielfältige Gruppe von über 8-9 verschiedenen Sprachen insgesamt. Manchmal hatten wir schon das Gefühl, dass wir ein*en Übersetzer*in bräuchten. Allerdings haben wir diese Situation auch zu einer Gelegenheit gemacht, die Auswirkungen und die Realität des modernen Lebens im Westen und der Migration zu thematisieren. In der heutigen Gesellschaft kann man spazieren gehen und verschiedene Sprachen auf derselben Straße hören. Das spiegelt sich auch in unserem Theaterstück wider.
Theresa: Bei unserer letzten Wiederaufnahme konnte beispielsweise ein Teilnehmer nicht dabei sein aufgrund seines Status. Wir haben dann seinen Text via Tonspieler eingespielt.
Es wurde durch seine Abwesenheit erkennbar, wie das System wirkt und wie wir mit der Realität ganz anders konfrontiert sind. Wir versuchen das transparent zu machen. Als das letzte Mal derjenige nicht da sein konnte, hat Shola danach eine kleine Ansprache gehalten. Es ist wichtig, sowas sichtbar zu machen.

Im Juni 2016 wurdet ihr als Gruppe zum Theatertreffen der Jugend eingeladen, wo es zu einem rassistischen Vorfall kam. Wie seid ihr mit dieser Situation umgegangen?

Shola: Ich war bei dem Vorfall nicht dabei, aber habe die Gruppe ermutigt mit unserer Kunst und unserer Message weiter zu kämpfen. Ignoranz kann nur durch Licht und Wissen überwunden werden.
Adrian:
Es war natürlich ein Schock und hat uns kalt erwischt. Wir haben überlegt, ob wir auftreten wollen oder nicht. Im Endeffekt hat die Gruppe, die auf der Bühne stand, entschieden es zu machen, weil das Stück Alltagrassismus und Ausgrenzung thematisiert.
Theresa: Es gab viel Solidarität z.B. von anderen Jugendgruppen. Die Folge waren Diskussionen und Podiumsgespräche. Untereinander gab es außerdem viel Empowerment.

Fotocredit: Wagner Carvalho
Fotocredit: Wagner Carvalho

Meint ihr dieser Vorfall hat etwas mit (fehlender) Diversität im Kulturbetrieb bzw. Kultureller Bildung zu tun?

Adrian: Ich denke, dass fehlende Diversität ein strukturelles Problem ist. Es findet dann statt, wenn z.B. Jurys sehr einseitig besetzt werden. Leider sind noch zu viele Positionen in leitenden Funktionen nicht divers besetzt und damit fängt es natürlich auch an. Somit sind heute immer noch ganz viele Menschen in Entscheidungspositionen, die Sachen nur aus ihrer Perspektive bewerten.
Theresa Diversität hat nicht nur was mit Hautfarbe oder dem Aussehen zu tun. Der Bildungshintergrund ist da auch wichtig. Im Chefsessel ist eben häufig das weiße Bildungsbürgertum. Man sollte versuchen, mehr Leute zu integrieren, die einen anderen Hintergrund haben, die nicht die gleichen Chancen hatten. Bei meiner  Schularbeit sehe ich das häufig, dass viele Kinder teilweise aus sehr prekären Umständen kommen und sehr geniale Geister sind.

Was für Projekte hast du in Zukunft geplant?

Shola:  Wir arbeiten gerade daran, das Stück nach UK  und in andere Teile der Welt zu bringen. Außerdem arbeite ich gerade an meinem nächsten Album, das weltweit erhältlich sein wird.
Adrian: Ende des Jahres mache ich eine Theaterproduktion am HAU. Es ist ein Theaterstück mit dem Arbeitstitel „Stress“. Wir gehen in den Jugendknast rein, recherchieren dort und versuchen die Stimmen aus dem Jugendknast auf die Bühne zu bringen.
Theresa:  Es gibt einen Film, den ich seit längerem bearbeite, der wahrscheinlich im Frühjahr Mai/April 2017 erscheint. „Krach der Stille“ heißt der Roadmovie.

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Adrian ist Regisseur und Videokünstler für Theater und Film und interessiert sich bei seiner Arbeit besonders für das Verschwimmen von Fiktion und Realität. Theresa hat an der Universität der Künste Schauspiel studiert und bewegt sich zurzeit zwischen Theaterregie, Filmregie und Bildungsarbeit mit Jugendlichen. Der Performer Afrikan Boy/Shola macht Musik, die seine Lebenserfahrung widerspiegelt: Eine brillante Mischung aus dem Grime seiner Ost-Londoner Siedlung und dem klassisch nigerianischen Sound seiner Eltern. Neben seiner Karriere als Musiker studiert Ojushola Ajose Psychologie an der Universität Brunel.

Belaid Le Mharchi
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