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Die Perspektiven geflüchteter Künstler*innen in den Mittelpunkt stellen – ohne Lohn?

Eine Kulturschaffende berichtet, warum sie Teil eines Projekts war, das vor allem durch die Perspektive geflüchteter Künstler*innen geprägt wurde, und warum das Projekt trotz genehmigter Projektgelder nicht nach Plan verlaufen konnte. Das Haupthindernis: die Entlohnung der Arbeit von Künstler*innen im Asylverfahren.

Die interviewte Person und ihr Projekt möchten gerne anonym bleiben.

Du warst Teil eines Teams, das ein Tanzprojekt für Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung auf die Beine gestellt hat. Worum ging es in eurem Projekt?

Wir haben das Projekt an einer Schule gemacht. Es nahmen insgesamt 30 Jugendliche mit und ohne Fluchterfahrung teil. Hauptziel des Projekts war das Empowerment der Teilnehmenden - als Individuen, aber auch als Teil einer Gruppe. Durch die Tanzworkshops sollten die Jugendlichen die Möglichkeit haben, ihre Talente zu entdecken und in diesen gefördert zu werden. Es ging darum, Neues auszuprobieren und einen gemeinschaftlichen Prozess zu erleben, der mit einem positiven Gruppenerlebnis enden sollte. Dabei war uns auch wichtig, die durch separate Willkommensklassen geschaffene Trennung zwischen Jugendlichen mit und ohne Fluchterfahrung aufzubrechen.

Wer waren die rahmengebenden Personen des Projekts?

Insgesamt bestand unser Team aus sechs erwachsenen Personen mit Fluchterfahrung und drei Personen ohne Fluchterfahrung. Darunter Tänzer*innen, Theaterpädagog*innen, Videokünstler*innen und Sozialarbeiter*innen. Wir haben alle konzeptuell an dem Projekt gearbeitet.

Was habt ihr euch bei der Zusammensetzung des Teams gedacht?

Als ich (Produktionsleitung ohne Fluchterfahrung) und mein Kollege (künstlerische Leitung mit Fluchterfahrung) die Künstler*innen angefragt haben, war uns wichtig, auf Menschen mit unterschiedlichen beruflichen und persönlichen Backgrounds zuzugehen. Wir dachten, das würde auch gut zur diversen Gruppe von Jugendlichen, mit denen wir arbeiten, passen. Im Nachhinein haben wir aber lernen müssen, dass wir nicht divers genug gedacht haben. Es wäre wichtig gewesen, neben Menschen, die Arabisch sprechen, auch Menschen, die z.B. Farsi oder Kurdisch sprechen, im Team zu haben. Aufgrund von eigener Migrationserfahrung in meiner Familie – und weil ich mich auch in meinem Studium sehr viel mit der Thematik von Migration und Flucht beschäftigt habe - weiß ich einfach, dass es ein wichtiger Mehrwert ist, wenn man in einem Team arbeitet, das gewisse Erfahrungen bezüglich dieser Themen mitbringt. Diese im Team geteilten Erfahrungen, dieses Extra an Verständnis, ist sehr hilfreich in einer Situation, in der man eigentlich die ganze Zeit unverstanden ist.

Ich denke für die teilnehmenden Jugendlichen ist es wichtig, in genau so einer Zeit, in der man versucht, eine Sprache neu zu lernen und sich an alle möglichen Systeme wie Schule neu anzupassen, auf Leute zu treffen, die die eigene Sprache sprechen und die eigene Lebensrealität kennen. Daher hatten in unserem Projekt auch vor allem die Künstler*innen mit Fluchterfahrung eine wichtige Vorbildfunktion. Das hat man vom ersten Treffen an gemerkt. Eine wichtige Information, die bei den Schüler*innen mit Fluchterfahrung ankam, war: Da ist eine Person, die in einer ähnlichen Lebenssituation steckt wie ich und trotz der Hindernisse ihre Träume und Ziele verfolgt.

Welche Hindernisse sind euch auf dem Weg begegnet?

Wir hatten große Probleme mit der Auszahlung der Löhne im Team. Leider hat uns das einen großen Strich durch die Rechnung gemacht. Wir konnten das Projekt nicht so durchführen wie geplant. Das war sehr frustrierend. Wir hatten zwar Gelder von Fördergeber*innen der Kulturellen Bildung, um dieses Projekt durchzuführen, wir hatten im Antrag auch geschildert, dass das Team vor allem aus Künstler*innen mit Fluchterfahrung bestehen würde. Der Antrag wurde auch so angenommen, aber es gab keinerlei Informationen dazu, wie wir das Auszahlen der Honorare an geflüchtete Menschen praktisch bewerkstelligen konnten. Wir hatten gar keine Informationen über die Arbeitserlaubnis für Menschen im Asylverfahren. Da uns niemand dazu Auskunft geben konnte und es sehr schwierig war, an die Leute heranzukommen, die sich dieser Problematik hätten annehmen können, haben wir uns sehr allein gelassen gefühlt mit unserem Problem.

Was wird nun aus dem Projekt?

Ein Folgeantrag ist nicht durchgegangen. Wir haben uns jetzt entschieden, mit dem gleichen Team und der gleichen Gruppe Teilnehmender ehrenamtlich weiter zu machen.

Das Interview führte Katharine Kolmans.

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English Version: Dossier 'Diversity Sensitive Supervision of Berlin Mondiale'

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