Navigation Kulturelle Bildung

Ein Empowerment-Märchen – chorisch

Von Golschan Ahmad Haschemi, Verena Meyer & Pasquale Virginie Rotter

Die Erzählerin: Es war einmal ein Reich, das war so groß, wie es sich fühlte. Es lebten dort zahlreiche Hofgelehrte und, neben den Übrigen, drei Empowerment-Expertinnen. Sie waren drei von vielen, die Empowerment für und mit jenen machten, die als „die Anderen“ markiert und damit geschwächt wurden. Für jene gab es wenig Selbstverständlichkeiten, dafür viele besondere und ganz unterschiedliche, niedergeschriebene und unausgesprochene Regeln und Gesetze. Denn jene waren nicht alle gleich, auch sie wurden ungleich gemacht. Es ereignete sich also, dass die drei von den Hofgelehrten gefragt wurden, auf dem schwarzen Brett etwas über ihre wichtige Arbeit mit „den Anderen“ zu veröffentlichen. Die Randständigen wunderten sich, wie immer, wenn die Hofgelehrten etwas von ihnen wollten, was auf den ersten Blick keiner vorgefertigten Rolle entsprach. Doch auf den zweiten Blick erkannten sie, es war die bekannte Rolle der „Auserwählten“: für all jene Randständigen zu sprechen, die nie befragt werden würden, die nie in die Reichsmitte eingeladen werden würden. Weil sie nicht gesehen wurden, weil die Hofgelehrten ihre vielfältigen Sprachen nicht kannten. Und auf den dritten Blick erkannten die drei die zweite Rolle, die sie spielen sollten. Es war die Rolle des Chors im Hintergrund: jener, der unerkannt seine Perspektive teilt und dann wieder entlassen wird, wenn er seine Schuldigkeit getan hat. Was für ein Theater, sage ich euch! Deshalb entschieden die drei, in den Untergrund zu gehen und das Schwarze Brett von hinten zu beschriften…

(Am Marktplatz in der Nähe des Schwarzen Bretts. Während der folgenden Unterhaltung ist ein konstantes Gemurmel zu hören, wie ein Rauschen, dass im Laufe der Gespräche immer weiter anschwillt und schließlich laut und deutlich wird: der Chor der Randständigen)

Der Maibaum: 2015 hat sich das menschliche Antlitz Deutschlands gezeigt. Unser Land steht vor enormen Herausforderungen. Die kulturelle Bildung hat hier eine besondere Verantwortung. Die Arbeit mit Asylsuchenden muss nachhaltig in der kulturellen Bildung verankert werden. Es geht darum, den Newcomern die unglaubliche Vielfalt der deutschen Kultur und Bildung nahezubringen.

Chor der Randständigen (ganz leise, nur im Hintergrund als leichtes Raunen zu hören):
Ich möchte einen Ort, an dem ich mich wohl fühle. An dem ich und andere was machen können. An dem das, was andere machen, mich inspiriert.
Ich möchte, dass der Ort und das, was an dem Ort passiert, ansteckend ist.
Ich möchte, dass es ein Ort ist, an dem wir abhängen können. Und plötzlich hat wer eine Idee und sagt: Lass das machen.
Ich möchte – ganz konkret – zufrieden sein mit den Menschen, mit denen wir uns da umgeben.
Ich möchte, dass es viel freien Raum gibt und Material, um diesen Ort immer wieder neu und temporär und anders zu füllen.

Die Fragende: Welche Geschichte(n) würde(n) eigentlich erzählt werden, wenn Kulturschaffende of Color selbst die Initiator*innen von Kulturprojekten wären? Woher kommt eigentlich die Annahme und der Wunsch, dass Kulturschaffende of Color nur Geschichten von „fremden Ländern“, Leid oder Opfersein zu erzählen hätten?

Die Aubergine: Weiße deutsche Theaterbesucher*innen tun mir schon manchmal leid. Die haben so eine eindimensionale Sicht, wie richtiges Theater geht. Ich dachte immer, das Land der Dichter*innen und Denker*innen ist breiter aufgestellt. Ich lass mich davon nicht kleinmachen und suche mir Leute, die ähnlich denken wie ich. Ich konzentriere mich auf das Schaffen an sich.

Golden Wonder: Ich mache das, was ich selbst auf der Bühne sehen will. Weil ich denke, dass das viele sehen wollen. Und der Erfolg gibt mir recht.

Chor der Randständigen (weiterhin im Hintergrund als Raunen vernehmbar):
Wie ich mir ein Wohnzimmer von so laissez-faire-Eltern vorstelle: Es gibt immer Malzbier zu trinken – weil das genauso bekömmlich ist wie eine Mahlzeit –, alle malen mit Filzstiften auf den Tisch und am Ende des Tages wird einfach mit der Schleifmaschine einmal drüber gefahren.
Ich möchte, dass Geld keine Rolle spielen muss.
Ich möchte, dass sich niemand alleine fühlt, sondern alle wissen, da kann ich immer hingehen, ich werde immer selbstverständlich dort sein.
Ich möchte, dass du hingehen kannst, wenn es Dir schlecht geht und dass es macht, dass es dir besser geht.
Ich möchte in einer supportive environment leben. Das geht, in dem wir uns selbst tragen: Wir unterstützen uns, wir ziehen uns nicht runter.

Die Fragende: Mal provokant gefragt: Müssen die Zahlen stimmen oder das künstlerische Schaffen?

Die Gurke (springt aufgeregt über den Marktplatz): Es gibt Geschenke, jede Menge Geschenke!!! Geld, Moneten, Kies, Moos, Zaster, Knete, Taler, Kröten!

Die Fragende: Wie wär’s damit: Mal ein Stück produzieren, bei dem du nicht die volle Kontrolle hast. Riskierst, dass niemand kommt. Wetten, das traust du dich nicht?!

Sieglinde: Danke, wirklich interessante Fragen. Doch wir müssen zuerst einmal unsere Zielgruppe definieren.

Die Fragende: Zielgruppe? Wen meinst du denn damit?

Sieglinde: Naja,  „Newcomer“ versteht kein Mensch. Das blendet außerdem die Fluchtgeschichte aus, das geht nicht. Ich schlage vor: Asylsuchende. Das ist politisch korrekt und schließt alle mit ein, von denen wir sprechen. Wir wollen schließlich kulturelle Bildung diskriminierungssensibler gestalten. Und genau das machen wir: Wir schaffen Zugänge zu Kunst und Kultur, eben für Asylsuchende.

Margot: Ich schlage vor: „Kunst- und Kulturschaffende mit Flucht- und Migrationsbiographien“. Das ist weiter gefasst und klingt weniger defizitär.

Die Tomate: Meine Fresse.

Ingrid: Ah, defizitär. Das ist gut! Dass wir das endlich überwinden.

Sieglinde: Zu lang.

Margot: Gut, für die interne Kommunikation: kurz KKSmFM.

Juwel: Als ob alle Menschen mit Migrationsbiographie Erfahrung mit Asyl hätten. Als ob alle Asylsuchenden ihre Flucht als Migration verstehen würden. Als ob Kunst- und Kulturschaffende mit Migrationsbiographie ihre Arbeit immer im Kontext Asyl verorten würden. Als ob sie jemals selbst befragt worden wären ...

Presto: Jetzt mach’s nicht komplizierter, als es eh schon ist.

Margot: Wir haben sie natürlich selbst gefragt. Wir haben Aktivist*innen, Migrant*innenselbstorganisationen und andere gefragt, was der beste Begriff ist. Also, daher mein Vorschlag. Der kam… eigentlich von ihnen.

Ingrid: Ach so, das ist gar nicht von uns? Wir haben doch schon in der 80ern von Migrationserfahrungen gesprochen, so neu ist das nicht.

Juwel: Wow, beide Begriffe sind so dermaßen von der Analyse alltagsrassistischer Realitäten entkoppelt. Woran denken denn die Menschen, wenn sie Asylsuchende“ hören? Und: Fühlen sich die so Bezeichneten überhaupt angesprochen?

Chor der Randständigen (etwas lauter):
Ich möchte Theater machen, ja, ich möchte als Performer*in auf der Bühne stehen, ja, ich stehe gerne auf der Bühne, ja. Aber nicht um den Preis, mir diese Bühne zu teilen mit Menschen, die sich nicht selbst in die Verantwortung nehmen als Teil der vorherrschenden Zustände. Menschen, die einerseits in persönlichen Gesprächen über machtkritische Inhalte und politische Diskussionen glauben, Dinge kritisch reflektiert zu verstehen, die aber andererseits auf der Bühne genau die gleiche Scheiße fabrizieren wie schon Generation um Generation von Kartoffeln vor ihnen.

Die Tomate: Als ob es keine Menschen gäbe, die Kunst- und Kulturschaffende waren, lange bevor sie das Label „mit Flucht- und Migrationsbiographie“ aufgedrückt bekommen haben. Das heißt ja nicht, dass weiße Menschen nicht mehr Theater machen sollen oder nicht mehr hingehen sollen.

Juwel: Woran denken denn die Menschen, wenn sie  „Asylsuchende“ hören? Und hat das irgendetwas mit der Lebensrealität der Menschen zu tun? Woran denken die Menschen, wenn sie „Kunst- und Kulturschaffende mit Flucht- und Migrationsbiographien“ hören? Und hat das überhaupt irgendwas mit der Lebensrealität der so Bezeichneten zu tun?

Kerkauer Zapfen: Also, ich finde das schon spannend. Ich möchte schon erfahren, was die As… also die Flüchtlinge alles erlebt haben. Das ist doch alles so schrecklich, das kann sich unsereiner ja alles gar nicht vorstellen. Das müssen wir doch wissen! Und außerdem haben die ja auch was davon: Die lernen, wie das hier in Deutschland funktioniert, lernen Deutsch, können sich integrieren.

Presto: Genau, wer hört Ihnen denn sonst zu? Wir wissen doch, wie es in den Heimen zugeht. Null Selbstbestimmung! Wir müssen Räume eröffnen! Sie in unsere Institutionen hereinholen! Gemeinsam nachdenken! Wir müssen ihnen eine Stimme geben, müssen diese Stimmen auf die Bühne, in die Städte, unter die Leute bringen!

Die Tomate: Ich glaub, ich muss kotzen.

Die Fragende: Ich weiß. Immer wieder die gleiche Leier! Trotzdem muss ich noch mal nachfragen: Wie vielfältig sind die Kulturbetriebe denn nun aufgestellt?

Juwel: Was ist, wenn die gar keine Lust haben zu erzählen, „was sie alles erlebt haben“? Wenn das vielleicht einfach gerade gar nicht ihr Thema ist? Sondern, sagen wir mal: die Kulturgeschichte des Nagellacks. Oder Schillers Räuber.

Chor der Randständigen (weiter in steigender Lautstärke):
Wenn ich mir die Leute anschaue, die mit mir im selben Kulturbetrieb unterwegs sind, die die gleichen Texte gelesen und die gleichen Stücke gesehen haben. Wenn ich mir anschaue, dass ich in der Hoffnung war, wenn „unsere“ Zeit käme, dann würde sich einiges ändern, auch in der Theaterlandschaft: „Die alte Generation muss einfach nur ausgewachsen werden! Wenn es an uns ist, sieht es anders aus!“; und nun sehe, was der Status Quo ist, dann verstehe ich: die gleichen Texte zu lesen bedeutet eben nicht, die gleichen Erfahrungen und Erkenntnisse zu machen. Unsere Körper unterscheiden sich. Wir werden unterschiedlich gelesen. Mein Körper wird anders markiert als ein weißer Körper. Es hat nichts damit zu tun, dass sich Generationen auswachsen, dass es automatisch passiert, dass bestimmte Diskurse selbstverständlich sind oder werden. Niemand in privilegierteren Positionen gibt freiwillig Macht ab. In jedem Fall die wenigsten.

Bamberger Hörnchen: Schillers Räuber? Was soll ein Araber mit Schillers Räuber? Ne, ich glaube nicht, dass das die Leute interessiert. Was soll denn dabei rauskommen?

El_Friede: Schillers Räuber, wie großartig! Ich finde es großartig, wenn sich Leute aus einer ganz anderen Perspektive mit den großen deutschen Klassikern befassen. Das sind ja universelle Themen, die da verhandelt werden.

Die Fragende: Kannst du noch mal kurz sagen, wer das Publikum ist? Wusstest du eigentlich schon, dass es unzählige Menschen gibt, die sich für Theater begeistern, aber nicht regelmäßig in ein deutsches Durchschnittstheater gehen? Ich würde behaupten, da besteht eine ungehörig ungerechte Schieflage in der Theaterlandschaft.

Die Aubergine: Ja, genau! Die meisten Geschenke, die meiste Kulturkohle geht doch an diese Theater. Dabei ist ihr Publikum nur der kleinste Bruchteil von Menschen, die sich für Theater, Kunst und Kultur interessieren oder interessieren könnten. Was ist denn mit denen die nicht hingehen, weil ihre Geschichten nicht erzählt werden? Es lässt sich doch eigentlich nicht rechtfertigen, dass trotzdem die meisten Geschenke an diese Durchschnittstheater gehen!

Kerkauer Zapfen: Ich habe ja mal die Räuber inszeniert von diesem Afrikaner – wie heißt er nochmal? – gesehen. Also hab ja nicht viel verstanden. Vor allem, wenn sie Afrikanisch gesprochen haben. Ich gehe doch nicht ins Stadttheater, um nichts zu verstehen. Und viel zu düster, keine Farben, nichts. Aber gut, der hat sich halt ausgetobt. Und hat hoffentlich erkannt, dass wir Deutschen wirklich sehr tolerant sind.

Juwel: Über Rassismus haben wir noch gar nicht gesprochen.

El_Friede: Aber…!

Juwel: Wir müssen uns dann eben auch mit unserer Kolonialgeschichte befassen, wenn wir verstehen wollen, warum bestimmte Strukturen einfach bestehen bleiben. Menschengruppen zur Schau stellen und Blackfacing sind doch koloniale Praktiken, oder?

El_Friede: Also, es muss schon fair bleiben, weil....

Die Fragende: Wollen wir es verstehen?

Chor der Randständigen (wird immer lauter):
Wir sehen, wir lernen, wir internalisieren, was funktioniert, was Geld bringt, was gesehen werden will. Und diese Legacy, dieses Vermächtnis wird weitergetragen.
Theaterkollektive gewinnen mit Bildern rassistischer Stereotype. Das ist so. Und sie sind ganz erschrocken und bestürzt, wenn ihnen das so gesagt wird. Sie sind nicht bestürzt über die Preise die sie damit gewinnen, sie nehmen gerne die Preisgelder an, die sie dadurch verdienen. Blutgeld. Sie machen Blackfacing. Das ist rassistisch. Es sind sympathische Leute, die gemocht werden. Auch sie führen die Legacy fort. Es gibt Versuche Einzelner, dazu Stellung zu beziehen; das verläuft meist im Sande. Das kotzt mich an. Ich sehe gerade diejenigen in der Verantwortung, die Hauptantriebskraft dagegen zu sein, die von dieser Legacy profitieren.

El_Friede (die Theatertante, die ja eigentlich allen alles ermöglichen möchte, aber halt nur im Rahmen des ihr Möglichen, des Machbaren und fair, ja fair! soll es zugehen):
Moment, wir haben sehr wohl über Rassismus angesprochen! Hier, nur zur Erinnerung, unser letztes Statement:
„Liebe Randständige, nach Rücksprache mit meinen Jurist*innen ziehen wir unsere Zusage, Theater in Eurem Sinne zu ändern, zurück. Rassistische Äußerungen sind ein Straftatbestand. Wenn ihr sagt, dass das, was bisher auf der Bühne passiert ist, rassistisch ist, dann geht das nicht. Wir wollen unsere Theatermacher nicht diffamieren und behalten daher die Definitionsmacht über das, was eigentlich rassistisch ist! Es ist unser Theater und wir verantworten die Inhalte. Wir verantworten nicht, dass eine der mit uns zusammenarbeitenden Künstler*innen als Rassist*in anklagbar wird, obschon sie guten Willens wider besseres Wissen versehentlich in die Rassismusfalle getappt ist.

Wir kommen Euch entgegen, indem wir euch erlauben, das zu machen, was wir von euch wollen, und auch ein bisschen über euer Leid zu sprechen, obschon der größte Teil von dem, was ihr erzählt, nichts mit Rassismus zu tun hat. Wir empfinden die Veränderung von unserem Theater als großen Verlust. Das, was wir machen, ist künstlerisch anspruchsvoll und mutig. Es war schon immer so und soll immer weiter so sein. Wir wollen mit euch weiterarbeiten, denn es hat uns eine weitere Tür in die Welt der Performance geöffnet. Auch wir als deutsche Theatermacher*innen kommen aus sehr prekären Situationen und unsere Arbeit ist eine wichtige Bewegung. Deshalb beugen wir uns nicht Eurem Wunsch. Bei den Formulierungen in unseren Stücken werden wir bleiben. Unsere Theatermacher*innen werden von unserer Seite nicht als Rassist*innen bezeichnet werden! Damit ist die Debatte um die Veränderung von unserem Theater für uns beendet. Die Inhalte von unserem Theater bestimmen wir.“

Bamberger Hörnchen: Eben! Doch stell dir vor: Wir fahren mit dem Bus durchs Land und dann machen halt wir in einer schmucken Kleinstadt in Sachsen, es ist bewölkt. Der Flüchtling, der selbst noch nie einen Maibaum gesehen hat, steigt aus und reicht einer älteren Frau mit einem Lächeln die Hand. Sie lächelt zurück und die Sonne kommt hinter den Wolken hervor.

El_Friede: Ich krieg Gänsehaut.

Bamberger Hörnchen: Genau das brauchen wir! Aus dem Willkommen soll ein Lächeln werden, das bleibt. Unser Projekt zeigt, dass nicht nur wir mit offenen Armen dastehen, sondern auch die Flüchtlinge selbst auf uns zugehen, uns die Hand reichen, mit einem Lächeln.

Der Kopfsalat: Macht hat Macht gemacht und die Macht gemächlich hatten’s machten mehr Macht und macht’s gern so gern mächtige Mücken Matten gemacht ermachten sich machtvoll und nächtens mächtig schlachten Macht mit Matten.

Die Tomate: Machtgeiles Pack.

Chor der Randständigen (laut und deutlich):

Es ist unsere Entscheidung, ob wir dieses Vermächtnis, diese weiße, rassistische, sexistische, exklusive, klassistische Vorstellung von Kultur weitertragen wollen oder nicht.
Ich möchte nicht um diesen Preis Teil dieser Art von Kulturbegriff sein.
Ich möchte diese Legacy nicht weitertragen.
Dafür möchte ich einen Ort, der sich der Verantwortung stellt. In dem der V-Effekt nicht instrumentalisiert wird, um rassistische und sexistische Bilder zu rechtfertigen. In dem sich Kritik gestellt wird, in dem Kritik ausgeübt wird, in dem aber dennoch ein gutes, ein positives, ein konstruktives, bestärkendes Miteinander ist.
Dafür braucht es andere Leute. Dafür braucht es nicht die üblichen Verdächtigen.
Ich möchte wissen, dass ich das Gefühl ablegen kann, in Habachtstellung sein zu müssen.
Ich möchte darauf vertrauen können, dass Dinge geschehen, Situationen geschaffen werden, die nicht mir vor den Kopf stoßen, sondern vielleicht denen, die es nicht gewohnt sind, vor den Kopf gestoßen zu werden.
Ich möchte Liebe nach innen und Dissens nach außen. Im besten Fall wird das Innen immer größer und reduziert so das Außen.

-------

Golschan Ahmad Haschemi ist Kulturwissenschaftlerin & Performerin. Ihre Arbeit changiert an den Schnittstellen zwischen künstlerischer, politischer und wissenschaftlicher Theorie & Praxis im Bereich (Anti-)Rassismus, Feminismus, Postkolonialismus und Empowerment. Sie schreibt, performt und forscht zu Diskursen rund um Dominanzgesellschaft, machtkritische Perspektiven darauf und widerständige Handlungsstrategien.
Sie ist Mitglied im feministischen Performance Art-Kollektiv donna’s gym, Teil des Theaternetzwerks cobratheater.cobra und arbeitet aktuell an einer Stückentwicklung mit dem Kollektiv Technocandy, das im Frühling 2018 in Oberhausen Premiere feiern wird.
Für die Amadeu Antonio Stiftung arbeitet sie als Bildungsreferentin im Projekt "ju:an" – Praxisstelle antisemitismus- und rassismuskritische Jugendarbeit in Hannover.

Verena Meyer lebt in Hannover und ist eine große Verfechterin des Unglaublichen. Ihre Vision: eine dekolonisierte Gesellschaft, eingebettet in eine Kulturlandschaft, die sich vielfältig, politisch, inspirierend und widerständig inszeniert. Zu diversen Gelegenheiten, an unterschiedlichen Orten und in variierenden Rollen bewegt sie sich und andere bundesweit. Als Jugendarbeiterin sowie Trainerin und Beraterin für Empowerment und intersektionale rassismuskritische Bildung setzt sie auf Reflexionsprozesse und Dekolonisierung des eigenen Handelns.

Pasquale Virginie Rotter, seit 2001 Wahlberlinerin, zunächst als New Media Projektmanagerin, Kundenberaterin und Eventmanagerin tätig, hat Erziehungswissenschaft mit Schwerpunkt auf Diversity und Bildung in der Migrationsgesellschaft an der Freien Universität Berlin studiert. Seit 2008 ist sie als Moderatorin, Trainerin für Empowerment und machtkritische Diversity, Autorin und Performerin tätig, mit den inhaltlichen Themenschwerpunkten Empowerment für rassismuserfahrene Menschen, Diversity, verstanden als Antidiskriminierung, Körper in rassistischen und sexistischen Machtverhältnissen sowie Stressprävention in aktivistischen Kontexten. Als Körpercoach begleitet sie Menschen auf Basis der Grinberg-Methode. Seit 2016 ist sie Teil des deutsch-ägyptischen Performanceprojekts Earthport, das die Möglichkeiten menschlicher Begegnung und Verbindung jenseits kultureller Zuschreibungen erforscht.

Einleitung: Themenfeld und Begründungszusammenhang

Themenfeld und Begründungszusammenhang: Der Kulturbetrieb ist jedoch nur bedingt offen für alle, und unter anderem Kunstschaffende mit Flucht- oder Migrationsbiographien sehen sich mit alltäglichen und strukturellen Zugangsbarrieren konfrontiert.

Mehr…
Begrifflichkeiten im Kontext von Flucht und Asyl

Sprache ist ein Machtinstrument. Sich mit geflüchteten Menschen zu beschäftigen bedeutet auch, sich mit den Begrifflichkeiten, die mit der Thematik verbunden sind, aktiv auseinanderzusetzen. Im folgenden Abschnitt werden einige Begriffe und Fragen behandelt, die im Kontext von Flucht aufkommen.

Mehr…
KUNST IST MÖGLICH (WENN WIR WOLLEN)

Was passiert?
Kunst kann Konzept, Gedanke, Behauptung, Freude am Experiment, Moment, Politik, Wissensproduktion, Aktivismus, Meditation oder Provokation von Begegnungen und Geistesregungen sein.

Mehr…
Ansätze für eine postkoloniale Geschichtsschreibung der kulturellen Bildung in Deutschland

Für eine Feldanalyse der kulturellen Bildung im spezifischen Kontext von Flucht und Asyl ist es unerlässlich, einen Blick auf das Selbstverständnis und die geschichtlichen Hintergründe beziehungsweise den Entstehungskontext von kultureller Bildung zu werfen.

Mehr…
Sind kulturelle und politische Arbeit voneinander zu trennen?

Ist Kunst zu machen eigentlich Luxus? Was bedeutet es, in Kunstprojekten zu arbeiten, wenn die eigene Existenz in Frage steht? Und welche Absicht verfolgt man, wenn man mit Asylsuchenden arbeitet? Das sind Fragen, die gleich zu Beginn unserer Veranstaltung „Kulturelle Bildung im Kontext Asyl: Sind kulturelle und politische Arbeit voneinander zu trennen?”

Mehr…
Soziale Arbeit und unentgeltliches Engagement im Kontext von Flucht

Was ist der Unterscheid zwischen Sozialer Arbeit und unentgeltliches Engagement im Kontext von Asyl? Was bedeutet das für den Anspruch der Arbeit und welche Chancen ergeben sich daraus? Prof.Dr. Nivedita Prasad analysiert dies in ihrem Beitrag.

Mehr…
Trauma und Migration als Prozesse verstehen

Während vor einigen Jahrzehnten um die Legitimation des Traumabegriffs gekämpft wurde, wird dieser Begriff heute inflationär verwendet. Umso drängender ist es, sich um eine differenzierte Sprache zu bemühen und kritisch zu schauen...

Mehr…
„Da kann man [...] in Fallen tappen, von denen man als Normalsterbliche*r überhaupt keine Ahnung hat.“

Ein Gespräch über Förderpolitiken im Bereich der kulturellen Bildung
Die interviewte Person möchte anonym bleiben.

Mehr…
„Berlin Better Have My Money“ – Bezahlmöglichkeiten im Kontext von Kultur und Asyl

Dossierbeitrag von Nina Hager, Rechtsanwältin mit dem Schwerpunkt auf Asyl- und Aufenthaltsrecht und Rechtsreferentin in dem Dachverband der Psychosozialen Zentren für Geflüchtete und Opfern von Folter in Berlin (BAfF e.V.).

Mehr…
„Ich brauche einen geschützten Raum, nicht mehr“

Ein Gespräch mit Marwa Abidou

Mehr…
Ein Empowerment-Märchen – chorisch

Die Erzählerin: Es war einmal ein Reich, das war so groß, wie es sich fühlte. Es lebten dort zahlreiche Hofgelehrte und, neben den Übrigen, drei Empowerment-Expertinnen. Sie waren drei von vielen, die Empowerment für und mit jenen machten, die als „die Anderen“ markiert und damit geschwächt wurden

Mehr…
Vom Trugschluss des emanzipatorischen Potentials der Künste.

Eine kritische Betrachtung der Ausbildung von Künstler*innen

Mehr…
Etwas in Bewegung setzen – Über das „Wir“ der Kunst und CommUNITY-Theater im Theater X

Es ist interessant, wie die Leitung des Theatertreffens hier mit großer Selbstverständlichkeit aus der Perspektive eines vorgestellten „Wir“ des deutschsprachigen Kulturbetriebs schreibt: „Wir“ leben in Europa – und zwar mit Pass. Wenn mensch einen Blick auf Leitung und Jury des Theatertreffens 2015 wirft, wird deutlich, dass „wir“ auch weiß sind und alle irgendwas in Richtung Germanistik, Literatur oder Journalismus studiert haben.

Mehr…
„Die Leute sollten Teil des Projektes sein, keine Mittel“

Auf Menschen persönlich zuzugehen und ihnen zu erklären, worum es bei dem Projekt geht, funktioniert am besten. Diese Beziehung zu den Menschen ist der wichtigste Teil. Ein offener Aufruf funktioniert nicht. Zumindest nicht für uns.

Mehr…
Augenhöhe & Empowerment: (Wie) Geht das?

Vielen Kulturschaffenden scheint grundsätzlich bewusst zu sein, dass es ein Machtgefälle gibt zwischen Menschen, die sich im Asylverfahren befinden, und denen, die es nicht sind, denn ein beliebtes Projektziel ist es, auf „Augenhöhe“ zu arbeiten. Dieses Ziel müsste nicht formuliert werden, wenn es keine gesellschaftlichen Hierarchien zwischen Menschen gäbe.

Mehr…
„Jetzt tretet ihr zurück, wir organisieren uns”.

Ein Interview mit Jugendliche ohne Grenzen und dem GRIPS Theater

Mehr…
„Wir konnten etwas Unmögliches möglich machen“

Eine polyphone Unterhaltung über den CommUnity Carnival mit Alix, Jan, Veronica und Samee. Der CommUnity Carnival ist eine großangelegte, inklusive, künstlerische und politische Demonstration, die von einem breiten Netzwerk von Künstler*innen und Aktivist*innen aus ganz Deutschland selbst organisiert wurde.

Mehr…
Resümee und Schlussfolgerungen vom Redaktionsteam

„Es gibt nichts Gutes, außer: man tut es“?
Im Rahmen unserer Feldanalyse haben wir öfter mit Projektleitungen Debatten über die Frage der Notwendigkeit einer politischen Positionierung zum Asylsystem geführt.

Mehr…
Die wissenschaftlichen Begleitungen Azadeh Sharifis - Ausgangspunkt und Hintergrund für das Projekt Diversitätsorientierte Begleitung Berlin Mondiale

Im Rahmen ihrer Feldanalyse besuchen die Critical Friends einige Projekte der Berlin Mondiale . Diese wurde über zwei Jahre von der Kultur- und Theaterwissenschaftlerin Dr. Azadeh Sharifi wissenschaftlich begleitet. Die Ergebnisse ihrer Begleitung und ihre darauf aufbauenden Empfehlungen für eine erfolgreiche, machtkritische Arbeit mit geflüchteten Menschen sind wichtige Impulse für die Arbeit der Critical Friends.

Mehr…
Praxisorientierte Empfehlungen

Die folgenden Empfehlungen für Projektdurchführende, Sozialarbeiter*innen, Zuwendungsgeber*innen und Förderprogrammkonzipierende im Kontext Asyl gründen auf unserer Feldanalyse und bilden zudem eine Essenz der Beiträge in diesem Dossier ab.

Mehr…
Praxisorientierte Links zum Thema Flucht / Asyl und Kultur

Empfehlungen von Online-Broschüren und -Beiträgen zum Thema Flucht / Asyl und Kultur.

Mehr…
Diversitätsorientierte Begleitung Berlin Mondiale Team

Das Team der Diversitätsorientierte Begleitung Berlin Mondiale besteht aus vier Critical Friends, die im Feld die Analyse durchführen und eine Koordination. Hier findet ihr kurze Beschreibungen der Teammitglieder.

Mehr…
Critical friends? Eine kurze Definition

Im Projekt Diversitätsorientierte Begleitung Berlin Mondiale nimmt unser Team die Rolle von “Critical Friends” (deutsch: Kritische Freund*innen) ein. Eine oft zitierte Definition beschreibt einen Critical Friend als „eine [...] Person, die provokante Fragen stellt, Daten erhebt...

Mehr…
Bezeichnungen und Schreibweisen

Mehr…
Die Perspektiven geflüchteter Künstler*innen in den Mittelpunkt stellen – ohne Lohn?

Eine Kulturschaffende berichtet, warum sie Teil eines Projekts war, das vor allem durch die Perspektive geflüchteter Künstler*innen geprägt wurde, und warum das Projekt trotz genehmigter  Projektgelder nicht nach Plan verlaufen konnte. Das Haupthindernis: die Entlohnung der Arbeit von Künstler*innen im Asylverfahren.

Mehr…
English Version: Dossier 'Diversity Sensitive Supervision of Berlin Mondiale'

Mehr…