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Zum Nachhören & -lesen: „Typisch Junge, Mädchen, hetero? Ansätze für alternative Rollenbilder in Kultur & Bildung“

Der Geschäftsbereich Kulturelle Bildung von Kulturprojekte Berlin lud am 7. März ins PODEWIL zu einem gemeinsamen Diskussionsabend zum Thema geschlechtliche und sexuelle Vielfalt mit dem Titel „Typisch Junge, Mädchen, hetero? Ansätze für alternative Rollenbilder in Kultur & Bildung“ ein.

Ein Beitrag von Justine Donner

Foto: Kulturprojekte Berlin / Justine Donner

Trotz bedeutender Schritte in Richtung Anerkennung geschlechtlicher und sexueller Diversität – wie Ehe für alle, ein drittes Geschlecht im Geburtenregister oder das Gendersternchen als Anglizismus des Jahres 2018 – ist das Wissen über und der Umgang mit dem Thema oft ungenügend, Vorurteile und Diskriminierung immer noch Realität.

Doch wie lassen sich Vorstellungen über eine geschlechtliche und sexuelle Norm aufbrechen, Akzeptanz erlernen und alternative Lebensentwürfe sichtbar machen? Was können Akteur*innen aus Kunst, Kultur, Jugend und Bildung in ihre Arbeit mit jungen Menschen übernehmen, diese empowern und wie auch sich selbst sensibilisieren?

Zu diesen Fragen über  Methoden und Ansätze für eine pädagogische und kulturelle Praxis diskutierten 5 Expert*innen.

Foto: Kulturprojekte Berlin / Justine Donner

Katharina Debus (Bildungsarbeiterin und Praxisforscherin, Dissens – Institut für Bildung und Forschung) hielt zu Beginn eine Keynote, um in das Thema einzuführen. Sie stellte zunächst das Konzept der geschlechtlichen Vielfalt vor: Diese setzt sich aus Vielfalt von Körpern (männlich, weiblich, Inter*), von Identitäten (männlich, weiblich, non-binary, genderfluid, agender…) und Ausdrucksweisen zusammen, von denen es wiederum vielfältige Kombinationen gibt. Die bestehende gesellschaftliche Norm gibt einen Fokus auf den Körper vor, d.h. Menschen werden anhand körperlicher Merkmale gelabelt. Eine Vielfaltsperspektive hingegen wäre, den Fokus auf Selbstbestimmung und Anerkennung von Komplexität zu richten.
Sexuelle Vielfalt hingegen meint sexuelle Orientierungen in Bezug auf die Geschlechterkombination  wie Hetero-/ Bi-/ Homosexualität oder in Bezug auf das sexuelle/ romantische Begehren wie Asexualität. Erweitert man sexuelle um amouröse Vielfalt geht es nicht nur um sexuelle Neigungen, sondern auch um romantisches Begehren und um Beziehungs- und Bindungsformen sowie Menge der Partner*innen (Familienvielfalt).

Zum Schluss gab sie  Praxistipps zur Selbstreflexion: Was nehme ich als „normal“ an? Wie gehe ich mit Unsicherheit, Normativität und Uneindeutigkeit um? Welche Opferbilder reproduziere ich anstatt wirklich zu empowern?

Auf der Handlungsebene schlug Debus Projektleitenden vor, folgende Punkte zu berücksichtigen: darauf achten, wer sichtbar im Projekt und auf Medien ist, Kooperationen sowie Vielfalts- & Antidiskriminierungsprojekte sichtbar machen, Gesprächsanlässe zu Diskriminierungsthemen schaffen & ansprechbar sein bei Diskriminierung, Empowerment und Handlungsfähigkeit fördern, konstante Arbeit an eigenen Verlusten durch Normativität.

Im Anschluss diskutierten Yasmina Bellounar (Pädagogin, Jugend Museum Schöneberg), Annika Füser (Spielleitung/Regie, Theater X), Celina Schultz (Mitglied der Intendanz, Theater X), Tarik Tesfu (Video-Kolumnist, Jäger &Sammler) und Katharina Debus. Moderiert wurde der Abend von Natascha Nassir-Shahnian (Referentin für Diversitätsentwicklung, Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung).

Mehr Informationen zu den Personen & Projekten finden Sie hier.

Worüber diskutiert wurde, warum auch eine Vielfalt an Definitionen und sprachlichen Ausdrücken notwendig ist, kann in folgendem Beitrag nachgehört werden – ebenso wie die Keynote!
 

Die Veranstaltung wurde in Deutsche Gebärdensprache übersetzt.

Der Abend wurde von Justine Donner, Andrea Wenger und Natascha Nassir-Shahnian konzipiert und organisiert.

„Typisch Junge, Mädchen, hetero? Ansätze für vielfältige alternative Rollenbilder in Kultur & Bildung“ war eine Veranstaltung des Geschäftsbereichs Kulturelle Bildung. Der Geschäftsbereich Kulturelle Bildung ist ein Projekt der Kulturprojekte Berlin GmbH, gefördert mit Mitteln der Senatsverwaltung für Kultur und Europa.

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